Das Verkehrshindernis Alpen



Das Befahren von Alpenstraßen übt einen besonderen Reiz aus, nicht nur für Motorradfahrer, die vor allem die vielen Kehren schätzen. Es ist vielleicht die erzwungene Gemächlichkeit, welche das eigentliche Ziel der Reise vergessen lässt, die das Befahren der Bergstraßen interessant macht. Hier gilt also noch: Der Weg ist das Ziel.
Die schönsten Alpenstraßen:
 
St. Gotthard und Umgebung
 
Die Tauernpässe Rund um den Arlberg
Die Große Dolomitenstraße Im Ötztal
 

Zur Geschichte des Alpenverkehrs

Der Verkehr brachte zwar stets Wohlstand in die Täler, durch die die wichtigsten Transitstraßen führten, doch auch Probleme. Während es heute vor allem Lärm und Abgase sind, waren es früher regelmäßig durchziehende marodierende Söldnerheere und eingeschleppte Krankheiten, die das Leben an den alten Passstraßen unbequem machten.
Die ersten, die sich um den Bau guter Straßen in den Alpen verdient machten, waren die Römer. Diese griffen zwar auch auf die bereits begangenen Pfade der Urbevölkerung zurück, bauten diese jedoch so aus, dass sie auch von schwereren Fuhrwerken befahren werden konnten. Freilich waren auch die Straßen der Römer ständig den zerstörerischen Gewalten der Natur ausgesetzt. Keine damals technisch mögliche Methode konnte verhindern, dass Straßen weggerissen oder verschüttet wurden. Dies ist auch der Grund dafür, dass von diesen Römerstraßen heute kaum etwas übrig geblieben ist. Wenn nicht zufällig Meilensteine auftauchen, kann der Verlauf der antiken Verkehrswege im Gebirge kaum eruiert werden.
<<< Reste der Römischen Brennerstraße knapp nördlich der Passhöhe. Die Geleise waren gewollt, da sie die Wagen in der Spur hielten.
In der Nähe von St. Margarethen im Lungau sind im Wald 3 Meilensteine der alten Römischen Tauernstraße aufgestellt. Es wird berichtet, dass im Jahre 201 eine neue Straße über den Katschberg gebaut wurde. Dabei wurde jedoch nicht der Weg über die heutige Passhöhe genommen, über welche damals sicher auch schon ein Weg führte, sondern es wurde die Route über den Laußnitzsattel wenige Kilometer östlich der heutigen Passstraße genommen, welche zwar etwas höher verlief (1695 m gegenüber heute 1641 m), ab kürzer war.
Bei der Untersuchung alter Gebirgswege stößt man übrigens oft auf die Tatsache, dass die Wege nicht in den oft versumpften Talniederungen verliefen, sondern auf den Hangschultern, wo sich oft geologische bedingte Terrassen über viele Kilometer hinziehen.
Die Anpassung an die Naturgegebenheiten kommt auch in den verschiedenen Wegführungen im Sommer und Winter zum Ausdruck. Währen die Sommerwege hoch gelegene Hangwege waren, verliefen die Winterwege mehr dem Tal entlang. Die Sommerwege mieden das Hochwasser, die Winterwege die Lawinen. Mit dem Verkehr mit schweren Lasten wartete man oft auf den Winter, weil die Schlittentransporte weniger beschwerlich waren. Dazu musste man jedoch dort, wo es notwendig war, behelfsmäßige Winterbrücken bauen, zu denen im Sommer kein Weg führte.
Welch schwieriges Hindernis im Verkehr die Alpen in früheren Jahrhunderten darstellten, mögen folgende Feststellungen deutlich machen:
 
Hoch gelegene Pässe wie der Gotthard in der Schweiz sind ab spätestens Mitte November wegen Schneefall unpassierbar. An ein Wegräumen der Schneemassen war früher nicht zu denken. Man musste daher warten, bis der Schnee von selbst die Straße freigab. Das war frühestens Ende Mai. Der Pass war also maximal 5 1/2 Monate passierbar. Bei niedrigeren Pässen wie dem Brenner verlängert sich die offene Zeit auf vielleicht 7 Monate.
Schlüsselstelle der Straße über den St.-Gotthardpass in der Schweiz ist die Teufelsbrücke in der Schöllenenschlucht im Kanton Uri.
Nachdem der Schnee die Straße freigab, musste aber oft festgestellt werden, dass Lawinen Teile der Trasse zerstört hatten. Aber auch im Sommer gab es häufig Unwetter, die Erdrutsche auslösten und die Straßen für Monate unpassierbar machen konnten.
Die "Fuggerstraße": Ein Saumpfad des 16. Jahrhunderts über den Korntauern (2459 m) zwischen dem Gasteiner Tal und dem Kärntner Mölltal. Zeichnung der Straße ins Gasteiner Tal mit einer hölzernen Hangbrücke (um 1680).
Viele Pässe waren daher gar nicht für den Fuhrwerksverkehr ausgebaut. Der Vekehr wurde hier mittels Tragtieren (Maulesel) abgewickelt. Auch auf der "Buckelkraxn" wurden Unmengen an Gütern über die Berge geschafft.
Die Benützung durch Fuhrwerke setzte einen Ausbau der Straße mit Kunstbauten wie Brücken und Stützmauern voraus, deren Haltbarkeit, wie erwähnt, gering war. Wegen der sehr beschränkten technischen Möglichkeiten war daher der Zustand der Alpenstraßen bis vor etwa 100 Jahren meist erbärmlich.

Am Semmering um 1820
Der Fuhrwerksverkehr ging kaum schneller vor sich als ein Fußgeher, mussten doch die Fuhrleute neben dem Fuhrwerk hergehen. Mit einem zweispännigem Fuhrwerk konnte über die Berge kaum mehr als eine Tonne an Last transportiert werden. Und dies musste ausgenutzt werden.
 
Das Überqueren der Alpen mit Fuhrwerken war damit strapaziös, langwierig und gefährlich. Alpenverkehr war etwas für "Spezialisten" - Es waren die Alpenbewohner selbst, die um die Gefahren wussten und erkannten, dass sich ein gutes Geschäft damit machen ließ, begehrte Waren über die Berge zu schaffen.
Aber auch das Einheben von Mautgebühren hatte in den Alpen schon immer Tradition, da der Erhalt der Straßen sehr kostspielig war. Nicht zuletzt nutzten aber die Grundherren, welche über die Passstraßen herrschten, ihre Stellung aus und verlangten unverschämt hohe Wegzölle. So wird berichtet, dass im 16. Jahrhundert der Verkehr über Triebener Tauern und Pyhrnpass stark zunahm, weil über den Radstädter Tauern sehr hohe Mauten bezahlt werden mussten.
Erst mit der "Automobilisierung" der Gesellschaft wurde der Verkehr in den Alpen von einer unverzichtbaren Wirtschaftsbasis zu einem Problem. Trotz spektakulärer Verkehrsbauwerke hinkt der Straßenbau in den Alpen dem Bedarf immer hinterher. Zudem wehren sich die Bewohner der vom Verkehr geplagten Täler immer mehr gegen die zunehmende Belastung, da heute kein Nutzen mehr von den Transitstraßen für die Anwohner ausgeht.

Sommerlicher Stau am Tauern in den 80er-Jahren, nachdem die Autobahn gebaut wurde.
<<< Sommerlicher Brenner-Stau in den 60er-Jahren, bevor die Autobahn gebaut wurde.
 
 
zuletzt geändert: 22.01.2001

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