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| Protestantische Inseln in Österreich | ||||||||||||
| Als Kaiser Josef
II. am 13. Oktober 1781 das Toleranzpatent erließ, mit dem neben der
katholischen Kirche auch andere Religionsgemeinschaften zumindest geduldet
wurden, meldeten sich in einigen Gebieten mehrere tausend Menschen, um ihr
Bekenntnis zum evangelischen Glauben öffentlich kundzutun und begannen bald,
eigene Gotteshäuser zu errichten. In Österreich können drei Schwerpunkte des Protestantismus ausgemacht werden:
Gebiete mit kleinerer Kopfzahl gab es
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![]() Karte mit dem Anteil an Protestanten an der Bevölkerung nach der Volkszählung von 1880 (Gemeindegrenzen von heute). Das Burgenland (in gelber Farbe) mit einem hohen protestantischen Bevölkerungsanteil gehörte damals zu Ungarn und ist daher nicht erfasst. Vergrößterter Ausschnitt mit Angabe der Anzahl der Protestanten je Region |
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Auffällig ist, dass es sich meist um abgelegene Gebirgsgegenden handelt, in der sich protestantische Gemeinden in der über 150-jährigen Verbotszeit des Protestantismus halten konnten. In Gosau im inneren Salzkammergut z.B. waren es über 90% der Bevölkerung, die sich 1782 für "evangelisch" erklärten. Die Gegend zwischen Traun und Donau inmitten des oberösterreichischen Alpenvorlandes fällt jedoch aus diesem Schema, da dieses Gebiet alles andere als abgelegen ist. Somit war es hier nahezu unmöglich, das Vorhandensein nicht-katholischer religiöser Praktiken zu verbergen. Es wird sogar berichtet, dass zahlreiche illegale Protestanten aus dieser Gegend regelmäßig ins nahe Ortenburg, nur wenige Kilometer südwestlich von Passau, reisten, um dort nach protestantischem Ritus zu heiraten, Kinder taufen zu lassen oder nur einen Gottesdienst zu feiern. Die Grafschaft Ortenburg bildete eine protestantische Enklave im damals sonst rein katholische Süddeutschland, weil der Fürst als Reichsgraf Religionsfreiheit besaß. |
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| Kurze Geschichte des Protestantismus in Oberösterreich | ||||||||||||
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In einigen zumeist abgelegenen Gebirgsgegenden versuchten allerdings die Menschen, meist unterstützt durch einen lokalen Adeligen, ihren protestantischen Glauben zu wahren. Nach außen wurde zwar der katholische Ritus brav praktiziert, daneben bestanden aber protestantische Untergrundgemeinden. In Salzburg, das bis 1803 ein Fürsterzbistum war, war diese Untergrundkirche über hundert Jahre aktiv und wurde erst 1732 praktisch ausgerottet, indem 22.000 Menschen (rund 20% der Bevölkerung) des Landes verwiesen wurde. Im selben Jahr mussten auch über 100 Protestanten aus dem Salzkammergut das Land in Richtung Siebenbürgen verlassen und bilden heute als "Landler" eine kulturell noch immer autarke Gruppe unter den deutschsprachigen Bewohnern Siebenbürgens. Warum sich also hier im Alpenvorland
Oberösterreichs so viele Protestanten trotz Verbots über etwa 160 Jahre
halten konnten, erscheint bis heute seltsam. Sicherlich dürften die
örtlichen Herrschaften – darunter auch Klöster wie Wilhering und St.
Florian – von den nicht-katholischen Ambitionen ihrer Untertanen gewusst
haben. Offenbar hat man aber die evangelischen Praktiken geduldet, solange
dies nicht öffentlich geschah. Warum aber in anderen Landesteilen
wesentlich strengere Maßstäbe angewendet wurden – z.B. ertappte
Protestanten eingesperrt und in "Umerziehungslager" gesteckt
wurden – kann niemand schlüssig beantworten. |
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1782/83 bildeten sich in OÖ. insgesamt 9 Toleranzgemeinden. Es wurde den Gläubigen dabei alles andere als leicht gemacht. Es begann damit, dass bewusst die Nachricht von der Verkündung der Religionsfreiheit lange Zeit nicht bekannt gemacht wurde. Als es sich dann doch nach mehrmonatiger Verspätung bis nach Oberösterreich herumgesprochen hatte und tausende Leute Willens waren, sich bei den Behörden als "akatholische" Christen eintragen zu lassen, erfand man allerlei Schikanen, um den einen oder anderen doch noch von seinem Vorhaben abzubringen. Doch wer über Generationen seinen Glauben behalten hatte, scheute nun auch nicht vor der komplizierten Bürokratie zurück. Auch beim Bau der Kirchen gab es zahlreiche Einschränkungen. Die evangelischen Gotteshäuser durften zunächst nach außen nicht als Kirchen zu erkennen sein. Türme und Rundfenster blieben daher lange Zeit verboten. Die Kirchen durften auch nicht an einer Hauptstraße errichtet werden. In Oberösterreich wurde die evangelische Kirche meist in einem "Sicherheitsabstand" zur katholischen Kirche errichtet. In Rutzenmoos und Neukematen entstanden überhaupt neue Zentren weitab eines alten Pfarrdorfes. Dies trifft z.B. auch auf die evangelischen Pfarrdörfer Kärntens zu. |
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| zuletzt geändert: 07.01.2004 | ||||||||||||
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