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Wem gehörte unser Land? - eine regionalhistorische Umschau |
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seit der Jungsteinzeit - nach dem Ende der letzten Eiszeit - ist das
Alpenvorland besiedelt. Vor allem Lochbeile (verwendet zum Spalten von
Baumstämmen) finden sich immer wieder auf Äckern unserer Gegend. Dabei
handelt es sich aber auf Zufallsfunde, die nur einem sehr kleinen Teil
dessen ausmachen dürften, was tatsächlich hierzulande an Steinwerkzeugen
herumliegt. Verblüffung löste aus, als 1987 ein Bauer in der Ortschaft Giering (Gemeinde Sipbachzell) mit seinem Pflug einen "Haufen alten Eisens" erwischte und damit den größten spätbronzezeitlichen Sammelfund Mitteleuropas freilegte (170 kg "Bronzeschrott" in einem 100 Liter fassenden Topf). |
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Seit einigen Jahren wird auch dem keltischen Erbe größere Beachtung
geschenkt. Ob tatsächlich viele Flurnamen keltischen Ursprungs sind und
zahlreiche Kirchen und Kapellen auf ursprünglichen keltischen
Kultplätzen stehen, muss allerdings noch näher untersucht werden.
Derzeit siegt noch die Spekulation über das (halbwegs) Beweisbare. In diesem Zusammenhang sei auf eine Erscheinung in unserer Gegend hingewiesen, die schon oft die Fantasie der "Heimatforscher" beflügelt hat - die "Wallhecken". Dabei handelt es sich um Erdwälle, die sich vor allem in Wäldern finden. Diese Wälle bilden oft ganze Netzwerke und haben Höhen bis zu zwei Metern. Da man lange Zeit keine vernünftige Erklärung dafür fand, wurden sie von manchen Forschern - isoliert betrachtet - als Reste von Verteidigungsanlagen (sog. Schanzen) gedeutet, andere wiederum, die sahen, dass diese Wälle sehr zahlreich waren, glaubten einen keltischen Ursprung beweisen zu können. Gegenbeweise waren aber ebenso schwer zu erbringen. Festzustellen ist allerdings, dass sich die Mehrzahl dieser Wälle mit noch heute gültigen Grundgrenzen decken. Damit können diese Wälle aber bestenfalls aus dem Spätmittelalter stammen, als ursprünglich herrschaftlicher Wald auf die Bauern aufgeteilt wurde. Die Wälle dürften einzig als Grundgrenze gedient haben, da man einen Wall eben nicht so einfach verrücken konnte als andere Grenzmarkierungen. Insgesamt ist das Ausmaß der keltischen Besiedelung des Alpenvorlandes derzeit nicht festzustellen, während in Gegenden, in denen die Kelten Bergbau und Metallverarbeitung betrieben, eine Vielzahl von Funden gemacht werden konnten. |
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| Römer ca. 15 v. Chr. - 488 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Überführung des keltischen Fürstentums Norikum in eine römische
Provinz verlief friedlich, so weit man heute weiß. Während im Süden der Provinz, dem heutigen Kärnten, die traditionelle Eisenerzeugung und -verarbeitung weiter für eine kulturelle Blüte sorgte, war es an der Donau zunächst recht still. Erst um 170 sorgten die im heutigen Böhmen siedelnden Markomannen dafür, dass das Alpenvorland bekannt wurde. Da bei Linz die "Böhmische Pforte" ein Tor in den Süden bildet, musste von den Römern dieser Bereich intensiv militärische gesichert werden. Etwa um 200 wurde an der Ennsmündung ein Legionslager mit Namen Lauriacum errichtet, neben dem sich eine Zivilstadt bildete. Das Verwaltungszentrum der nördlichen Provinz Norikum bildete sich jedoch in der wahrscheinlich schon unter den Kelten bedeutenden Handelssiedlung Wels - römisch Ovilava. Um diese Stadt, die im 4. Jahrhundert mit etwa 18.000 Einwohnern maximale Größe erreichte, entstanden zahlreiche Bauernhöfe, die die Nahrungsmittel für Stadt und Militär zu erzeugen hatten. Da zu den nördlich der Donau siedelnden Germanenstämmen nach den Markomannen meist eine friedliche Beziehung bestand, gab es auch viele Germanen, die Gefallen an den "römischen Sitten" fanden und sich hier niederließen. |
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| Baiern ca. 550 - 788 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Heute
nimmt man an, dass die Bayern kein eigener germanischer Stamm waren,
sondern vielmehr nach dem Zusammenbruch der Römerherrschaft 476 bzw. 488
aus Angehörigen vieler hier lebender germanischer Stämme entstanden. Als Namensursprung wird vermutet, dass bereits die Römer die aus dem Norden kommenden Germanen als "bajuvarii" bezeichneten, was soviel wie "Leute aus Böhmen" bedeutete. Der Name "Böhmen" wiederum dürfte von den ursprünglich dort siedelnden keltischen Bojern kommen. Ein Hinweis auf die Genese der Bayern in ihrem eigenem Land könnte auch darin gesehen werden, dass es in "Altbayern" bereits so etwas wie Nationalbewusstsein gab. So wurde - mit Hilfe der Kirche - das Entstehen einer eigenen Landessprache gefördert. Schon im 8. Jahrhundert zeigte sich auch eine gewisse Eigensinnigkeit der Bayern, die letztlich die Eigenständigkeit dieses ersten bairischen Herzogtums kostete. |
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| Karolinger 788 - ca. 970 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Herzog
Tassilo III. (gründete 777 das Kloster Kremsmünster) verweigert Kaiser Karl dem Großen im Jahre
756 beim Feldzug
gegen Aequitanien den Gehorsam, als er seine Soldaten kurzfristig wieder
zurückzog. Als dann noch gegenüber einigen "Erzfeinden" (Awaren,
Langobarden) des Frankenkaisers eine eigene Außenpolitik betrieben wurde,
hatte Kaiser Karl genug. Beim Reichstag zu Ingelheim im Jahre 788 wurde Tassilo
mitsamt seiner Familie zu lebenslanger Klosterhaft verurteilt. Das bairische Herrschaftsgebiet, dass die heutigen bairischen Regierungsbezirke Ober- u. Niederbayern sowie die Oberpfalz und das Gebiet der heutigen Staaten Österreich und Slowenien umfasste, wurde zum direkten Gut des Kaisers. Die Nachfolger Karls des Großen vergaben aber Teile dieses Gebietes an Lehensmänner. |
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| Lambacher Grafen ca. 970 - 1090 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Stelle der heutigen Benediktinerabtei Lambach stand ursprünglich eine
Burg. Diese wurde von einem Rittergeschlecht bewohnt, das offenbar im 10.
Jahrhundert vom Kaiser mit einem größeren Gebiet belehnt wurde.
Genauere Auskünfte über die Anfänge dieses Herrschergeschlechtes lassen
sich heute nicht mehr machen. Einzig über den letzten Spross der Lambacher ist mehr bekannt: Bischof Albero von Würzburg. Dieser stiftete bereits 1076 seine Stammburg zum Kloster. Als Albero 1090 verstarb, gelangte die gesamte Grafschaft an das Bistum Würzburg. |
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| Bistum Würzburg 1090 - 1222 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Unter
den Würzburgern wurde die Grafschaft geteilt. Das neue Kloster Lambach
wurde mit umfangreichem Grundbesitz ausgestattet. Die übrigen Güter
bildeten fortan einen weltlichen Besitzkomplex, welcher von der Stadt Wels
aus verwaltet wurde. Unter den Würzburgern wurden Teile des umfangreichen Besitzes auch an Lehensleute vergeben, wodurch viele kleine Herrschaftskomplexe innerhalb des Gebiets der Burgvogtei Wels entstanden. Um 1200 dürften die Würzburger Bischöfe einen großen Finanzbedarf gehabt haben, denn sie verkauften zuerst die Stadt Wels, etwas später die gesamte Vogtei Wels an den Herzog von Österreich. |
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| Herzogtum Österreich 1222 - 1453 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 976
wurde Leopold I. aus dem Geschlecht der Babenberger Markgraf über ein
Gebiet, für das erst 20 Jahre
später erstmals urkundlich der Name "Ostarrichi" aufschien. Anfangs
umfasste diese Grafschaft nur das Gebiet zwischen den Flüssen Enns und
Traisen, "Hauptstadt" war Pöchlarn. Schon 985 entsprach das
Gebiet etwa dem heutigen Bundesland Niederösterreich. Der Herrschaftssitz
wurde nach Melk verlegt. Erst seit 1156 ist Wien Hauptstadt von
Österreich. 1156 erhielt Heinrich II. die Herzogswürde und am 1. August 1186 wurde mit der "Georgenberger Handfeste" der Grundstein zum Ausbau des Landes gelegt. Damals wurde auf dem Georgenberg - dem Stadthügel von Enns - ein Vertrag zwischen Herzog Leopold V. von Österreich und Graf Ottakar VI. von Steyr geschlossen. Ottakar war kinderlos und vermachte daher nach seinem Ableben den Besitz (den Traungau mit der Stadt Steyr in Oberösterreich und die Steiermark) an die Herzöge von Österreich. 1192 verstarb Ottakar und der Vertrag bekam Gültigkeit. Im 13. Jahrhundert wurden unter Herzog Leopold VI. (1198-1230) große Teile des heutigen Oberösterreichs erworben. Als 1246 mit Friedrich II. der letzte männliche Babenberger starb, begann ein heftiger Streit zwischen den deutschen Rittern und dem Königreich Böhmen, welches einen Erbanspruch auf die österreichischen Länder erhob. Nach der Schlacht bei Dürnkrut 1278, bei der Böhmenkönig Przemysl Ottokar II. den Tod fand, konnten die vom deutschen Reichstag als Erben bestimmten Habsburger ein Land übernehmen, das durch die zahlreichen Bodenschätze (Gold [1557 10% der Weltförderung], Silber, Kupfer, Blei, Eisen, Salz) über eine solide wirtschaftliche Basis verfügte. Die Habsburger verstanden es, dies für den weiteren Aufstieg Österreichs zur Großmacht zu nutzen. 1335 kamen Kärnten, Südtirol und Krain (heute westlicher Teil Sloweniens) zu Österreich, 1363 folgte durch Besitzverzicht von Gräfin Margarete Maultasch auch Nordtirol, womit die "Stammländer" Österreichs komplett waren: Vorarlberg bestand damals aus mehreren kleinen Fürstentümern, die 1375 (Grafschaft Feldkirch, innerer Bregenzerwald), 1394 (Herrschaft Bludenz) und später an Österreich gelangten. Salzburg war bis 1803 ein selbstständiges Fürsterzbistum. Das Burgenland kam erst 1920 (endgültig 1921) von Ungarn zu Österreich, da die Bevölkerung großteils deutschsprachig war. |
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| Erzherzogtum Österreich ob der Enns 1453 - 1918 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Am 6. Jänner 1453 erhielten die Habsburger
nach langen Streitigkeiten endlich die Erzherzogswürde zugestanden und
standen somit an der Spitze der Rangordnung der deutschen Fürsten. Seit
1458 gilt Oberösterreich als eigenes Erzherzogtum (Erbvertrag: Kaiser
Friedrich III. erhält Niederösterreich, Erzherzog Albrecht VI.
Oberösterreich). Kaiser Friedrich III. musste 1484 für mehrere Jahre
nach Linz übersiedeln, da die östlichen Landesteile mit Wien bis 1490
von Ungarnkönig Mathias I. Corvinus besetzt waren.
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| Die
Habsburger versuchten stets, in ihrem Kernland Ruhe und Ordnung zu halten,
um anderswo umso heftiger Krieg führen zu können. So kann auch der
Umstand erklärt werden, dass Österreich meist nur in den Randbereichen
von den großen Konflikten betroffen war. Nur die Reformation stellte eine ernsthafte innere Bedrohung des Hauses Österreich dar. Die Reformation stellte nicht nur alte autoritäre Gefüge in Frage, sondern spaltete die Gesellschaft, wodurch diese ihre innere Stabilität zu verlieren drohte. Daher wurde in Österreich zuerst zaghaft, ab 1652 umso heftiger das Land rekatholisiert. Tausende Untertanen, die ihrem evangelischen Glauben nicht abschwören wollten, mussten das Land verlassen. Während sie im Österreichischen Stammland als Volksschädlinge behandelt wurden, waren sie zur Besiedelung der durch die Türkenkriege entvölkerten Gebiete in Ungarn und Siebenbürgen willkommen. |
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| Schon
am Ende des 18. Jahrhunderts versuchte Kaiserin Maria Theresia - noch
zaghaft - sowie ihr Sohn Josef II. - ziemlich radikal - das Reich im Sinne der Aufklärung zu
modernisieren. Das größte Hindernis dabei bildeten die alten
Herrschaftsstrukturen. Sie zu brechen, gelang Josef II. zwar, doch der
frühzeitige Tod des Kaisers 1790 machten die zukunftsweisenden Reformen
zunichte. Nahezu alle Reformen, die
eine Beschneidung der Rechte des Adels bedeuteten, wurden in kürzester
Zeit wieder rückgängig gemacht. Es dauerte über 50 Jahre, ehe die Zeit auch in Österreich wieder reif war, die alten Herrschaftsstrukturen aufzulösen. Erst in Folge der Revolution von 1848 wurden die mittelalterlichen Herrschaftsstrukturen weitgehend beseitigt. |
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| Endgültig Abschied von der alten Zeit nahm Österreich allerdings erst 1918, als mit dem verlorenen Krieg das alte Reich zerbrach und die adelige Oberschicht ihren Führungsanspruch verspielte. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| zuletzt geändert: 26.12.2001 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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