"Helle Bauernköpfe"



 

Zwei "Altsattledter" haben vor über 200 Jahren eine bemerkenswerte Leistung vollbracht. Damals wurde eine neue Verwaltungsstruktur geschaffen. Die so entstandenen Steuer- oder Katastralgemeinden wurden von einem aus den Grundbesitzern gebildeten Ausschuss vermessen und verwaltet. Nun zeichneten zwei Bauern aus Oberaustall eine Landkarte ihrer Katastralgemeinde.


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Diese Karte wäre nichts Besonderes, gäbe es vergleichbare Werke. Doch nicht einmal amtliche Kartenwerke dieser Zeit, gezeichnet von ausgebildeten und routinierten Kartenzeichnern, erreichen meist nicht die Qualität dieser Karte der Katastralgemeinde Oberaustall.
Dies dürften auch die beiden Bauern gewusst haben, denn im "Impressum" (Mitte oben) der Karte findet sich folgender bemerkenswerte Spruch:

Offensichtlich waren also die Bauern unserer Gegend vor 200 Jahren doch nicht so ungebildet, wie man vermuten könnte, denn die Schulpflicht wurde erst 1774 eingeführt. Somit hatten unsere beiden "Bauernköpfe" ihre Fähigkeiten noch nicht dieser Errungenschaft zu verdanken, sondern besuchten eine offenbar für damalige Verhältnisse fortschrittliche Privatschule - vielleicht in einem Kloster wie Lambach oder Kremsmünster.

Die Landwirtschaft im Herzogtum "Österreich ob der Enns" befand sich am Ende des 18. Jahrhunderts in einem vergleichsweise guten Zustand. Kaiser Josef II. bereiste unser Land und meinte sinngemäß, die Bauern seien der edelste aller Stände.

Zwey haben dieses Werk,
wie's liegt zu Stand gebracht.
Manch Bauernkopf ist hell,
nicht finster wie die Nacht.

Kaiser Josef II., der älteste Sohn von Kaiserin Maria Theresia, war bereits seit 1765 Mitregent seiner Mutter, wurde nach deren Tod 1780 Kaiser und war ein großer Freund der Aufklärung. Er erkannte, dass ein moderner Staat neue Aufgaben zu erfüllen hatte und dafür eine effizientes Wirtschaftsystem benötigte. Dies konnte nur durch Leistungsanreize geschehen - also eine durchaus moderne Erkenntnis.
Der Kaiser versuchte, mit umfangreichen Reformen die Steuerlast der Bauern zu verringern. Allerdings musste nun der Adel auf große Teile seiner bisherigen Einkünfte verzichten. Die Bauern vor allem in unserem Gebiet dankten diese Wertschätzung durch den Kaiser mit großer Hochachtung. Dies kommt auch in Sprüchen wie diesem zum Ausdruck:

Gott segne Josephs Werk, so wir vor Augen haben.
Wodurch Fürst, Graf und Bauer entrichten gleiche Gaben.
Wenn sich dann jeder Stand der Wohlthat kann erfreun,
Soll Millionen Dank, der Zoll des Kaisers seyn.

In anderen Teilen des Reiches waren die Reformen Josefs II. nicht so sehr geschätzt. In Ungarn gab es sogar Aufstände, da die auf den großen Gütern der Magnaten arbeitenden Kleinbauern selbständiges Wirtschaften nicht gewohnt waren und daher tiefgreifende Reformen dort ihre Wirkung verfehlten.
Durch den frühen Tod des Kaisers 1790 waren seine Reformen noch nicht fest etabliert. Da der Adel verständlicherweise gegen alle Reformen auftrat, die ihre Einkünfte schmälerten, wurde bald alles daran gesetzt, vor allem die Steuerreformen rückgängig gemacht. Es wurden wieder die Regelungen eingesetzt, die unter Kaiserin Maria Theresia Gültigkeit hatten. Österreichs Bauern mussten noch 60 Jahre lang warten, bis die Zeit reif war, ein modernes und gerechtes Abgabensystem einzuführen.
zuletzt geändert: 08.01.2004

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