Altstraßen in Oberösterreich


 
Woran der Nachweis einer alten Straßentrasse meist scheitert, zeigen sehr anschaulich folgende Beispiele:
 
1) Handelsstraße Lambach - Kremsmünster - Steyr
 

Beim Bau der A8 "Welser Westspange" (Autobahnverbindung Wels-West - Voralpenkreuz) wurde im Mai 2001 die längst aufgegebene Trasse der bis vor etwa 200 Jahren benützten Straßenverbindung von Lambach nach Kremsmünster (und weiter nach Steyr) angeschnitten. Diese Straße besaß eine wichtige überregionale Bedeutung, da zwei früher sehr wichtige Handelsgüter hier transportiert wurden: Bei Lambach wurde das Salz aus dem Salzkammergut von den Schiffen geladen. Der Großteil wrude auf seichteren Schiffen die Traun weiter abwärts transportiert. Ein anderen Teil gelangte aber auf den Straßen in das Umland bis in das Steyr- und Ennstal. In die Gegenrichtung wurden Eisenwaren aus dem Enns- und Steyrtal in das Salzkammergut befördert.

Die alte Straße von Lambach nach Kremsmünster verlief am Westhang des Aiterbchtales (Gemeinde Steinerkirchen) über ein kurzes Stück als Hohlweg, welcher heute noch teilweise als landwirtschaftliche Zufahrt genützt wird. Der durch den Autobahnbau entstandene Profilschnitt liefert den Beweis, dass diese Straße trotz einer über viele Jahrhunderte gehende Benützung über kaum einen Unterbau besaß. Vielmehr war die Straße eine einfache Lehmpiste. Ähnliches kann durch Grabungen auf anderen alten Straßentrassen festgestellt werden.
 
2) Straße Kremsmünster - Sipbachzell - Leombach - Wels
 
Eine von vielen Gerüchten umrankte Altstraße verläuft von Kremsmünster über den alten Pfarrort Sipbachzell und den mittelalterlichen Herrschaftssitz Leombach nach Wels. Leombach ist heute nur mehr eine Ortschaft aus einigen größeren Bauernhöfen und einem Dutzend Kleingehöften, um die erst in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Neubauten entstanden. Die Kleingehöfte gehen auf Handwerker zurück, die sich im Nachbereich des bis vor 200 hier bestehenden Schlosses ansiedelten. Vom Schloss ist ehute nur mehr die Kapelle sowie der als Wohnhaus genützte Wirtschaftstrakt erhalten.
 
Durch den Herrschaftssitz besaß die Straße über Leombach bis vor etwa 200 Jahren auch eine überregionale Bedeutung. In der ältesten Straßenkarte unseres Gebietes von 1765 wird diese sogar unter den "Commercialstraßen" geführt, wozu nur die wichtigsten Straßen gezählt wurden.
 
Da in Kremsmünster auch schon in der Römerzeit (von 15 v.Chr. bis ins 5 Jhdt.) Menschen siedelten, wurde unsere Straße auch in dieser Epoche benützt. Manche sehen hier sogar den verlauf der wichtigen Verbindung der Provinzhauptstadt Ovilava (heute Wels) zum Pyhrnpass. Allerdings ist heute kaum mehr nachzuvollziehen, welche Trasse nun tatsächlich benützt wurde.

In einem größeren Waldstück unmittelbar östlich von Leombach sieht man noch ein Stück der alten Straße zwischen zwei Wällen verlaufen. Eine Untersuchung durch eine lokale Grabung zeigt auch hier, dass diese Straße über keinen Unterbau aus Schotter oder ähnlichem Material besaß.
 
3) Salzstraße Gmunden - Vorchdorf - Kremsmünster - Steyr
 
Salz war früher eines der wichtigsten Handelsgüter. Im Salzkammergut lag seit Menschengedenken ein Zentrum der Salzgewinnung in Europa. Ein Teil des Salzes gelangte ab Gmunden am Nordende des Traunsees über Straßen in den Handel. Die dafür benützten Straßen besaßen eine besondere Bedeutung. Selbst vor 200 Jahren wurden die damals vom Staat als besonders wichtig eingestuften und in staatliche Erhaltung übertragenen Straßen als "Salz- und Commercialstraßen" bezeichnet. Die hier beschriebene Straße hatte jedoch vor 200 Jahren schon ihre Bedeutung eingebüßt.

 

In einem kleinen Waldstück zwischen Pettenbach und Eberstalzell sieht man zwischen zwei im Abstand von etwa 20 m verlaufenden Erdwällen die Trasse der alten Salzstraße. Die Fortsetzung der außerhalb des Waldes geradlinig über die Felder nach Westen verlaufenden Straße heißt noch heute Landstraße; ein Begriff, der früher nur wichtigen Straßen zugeordnet wurde.
 

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zuletzt geändert: 03.01.2007

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