Am Beginn des
Erdölzeitalters



 

Erdöl ist DER Energieträger des 20. Jahrhunderts. Erst vor etwa 150 Jahren begann am Kaukasus, in Europa und in den USA etwa zeitgleich das "Erdölzeitalter". Über viele Jahrhunderte zuvor wusste man mit dem schwarzen "Zeug", das an manchen Orten an die Oberfläche trat oder bei Brunnenbohrungen zum Vorschein kam, überhaupt nichts rechtes anzufangen.
 

... in Rumänien
Wie bei den anderen frühen Ölfördergebieten auch reichen am Südrand der Karpaten, nördlich der Stadt Ploesti in Rumänien ölführende Schichten bis an die Erdoberfläche. Das an manchen Stellen an die Erdoberfläche sickernde Öl wurde seit alters her als Schmiermittel und für medizinische Zwecke verwendet.
Da in Rumänien natürlich ans Tageslicht tretendes Erdöl in größeren Mengen verfügbar war, fand die 1853 durch den Polen Jan Józef Ignacy Łukasiewicz erfundene Petroleumlampen rasche Verbreitung. Schon im Dezember 1856 begann man in Ploesti mit dem Bau einer Raffinerie, die vornehmlich Petroleum für Straßenlaternen erzeugen sollte.

1857 wurde Rumänien als das erste Land mit einer regulären Ölproduktion von bescheidenen 250 Tonnen angeführt (USA 1859, Italien 1860, Kanada 1862, Russland 1863). Im gleichen Jahr erhielt Bukarest als erste Stadt eine Straßenbeleuchtung mittels Petroleumlampen.

Die erste mechanisch gebohrte Ölquelle mit einer Tiefe von 150 m Rumäniens wurde 1861 niedergebracht. Die Produktion stieg von 3000 Tonnen 1862 auf 15900 Tonnen 1882 und auf 250.000 Tonnen im Jahr 1900, womit Rumänien nach den USA und Russland und etwa gelichauf mit Österreich/Ungarn das drittgrößte Ölförderland der Erde war.
1887 erreichte eine Bohrung bei Campina in 145 m Tiefe eine Erdöllagestätte, die pro Tag ca. 500 Tonnen Erdöl eruptiv förderte – noch nie da gewesene Ölmengen. Rasch stellten sich aus aller Herren Länder Unternehmer ein, um die so reichen und einfach zu erschließenden Erdölvorkommen auszubeuten. Vor allem Unternehmer aus Frankreich, den USA und Deutschland engagierten sich stark.
Modernste Technik kam zum Einsatz. So wurde 1907 die erste Bohrung im Moreni-Ölfeld bereits mit der Rotary-Technik durchgeführt. Im gleichen Jahr wurde in Campina erstmals die Förderung uner Verwendung von Luft und Gas angewandt – später als Gasliften bezeichnet. 1912 wurde der erste Blow Out Preventer (Vorrichtung zum Sperren des Bohrlochs, um einen Ausbruch des unter hohem Druck stehenden Öls zu verhindern) vom Unternehmen Virgil and Tacitus Eng. Valeriu Puscariu entwickelt und in der Folge weltweit patentiert.
Rumänien ist auch das erste Land, das Erdgas in größerem Umfang zu nutzen verstand. Bereits 1908 fanden gezielte Bohrungen nach Erdgas statt. 1912 wurde in Turda südlich von Cluj (Klausenburg) das erste Gasunternehmen gegründet. Eine 55 km lange Gasleitung zwischen Samasal und Turda wurde 1914 fertig gestellt und 1917 in Betrieb genommen. Turda wurde die erste Stadt Europas mit einer mit Erdgas betriebenen Straßenbeleuchtung. Die Städte Tarnaveni und Medias folgten.
Am Beginn des 1. Weltkriegs war Rumänien Hauptlieferant von Erdöl für das Deutsche Reich. Als 1916 Rumänien den Alliierten beitrat, wurden die rumänischen Ölfelder  durch deutsche Truppen besetzt. Die Briten veranlassten aber zuvor eine Zerstörung der gesamten Erdölanlagen. Insgesamt wurden 1677 Ölquellen, davon 1047 in Produktion, zerstört. Überdies gingen rund 827.000 Erdöl und Erdölprodukte in Flammen auf.
1924 begann man am Buzau-Ölfeld mit dem Schachtbau, der bis in 141 m Tiefe reichte, um die Ölausbeute von damals (bei Eruptivförderung) üblichen 20% auf rund 60% zu erhöhen. Wenig später ging man dazu über, von Schächten aus horizontale Bohrungen herzustellen.
1927 gab es in Rumänien 1566 produzierende Ölquellen, davon 1014 in der Region nördlich von Ploesti. Die Produktion betrug 1926 3,15 Millionen Tonnen. 1936 konnte mit 8,8 Millionen Tonnen das höchste Niveau der Zwischenkriegszeit erreicht werden. Die Erdölgewinnung in Rumänien war damals in Händen von 33 Unternehmen, die sich überwiegend in amerikanischem und britischem Besitz, befanden. 1932 waren fast 14.000 Personen in der Erdölgewinnung in der Region tätig.
Bereits 1934 wurde 3300 m tief gebohrt, was Europarekord und weltweit den 2. Rang beduetete. Nur eine Bohrung in Kalifornien war mit 3458 m noch tiefer.
1937 belegte Rumänien Platz 5 unter den Erdöl exportierenden Ländern (nach Venezuela, USA, Iran und Holländisch Ostindien [Indonesien]). Ein großer Teil der Ölproduktion ging nach Deutschland, was nach Ausbruch des 2. Weltkrieges zu Verwicklungen führte.
1940 gelangten 1,4 Mill. Tonnen Rohöl aus Rumänien nach Deutschland, 1941 waren es 3 Mill. Tonnen. Bereits im Sommer 1940 wurde versucht, die Ölzufuhr nach Deutschland unterbinden. So weigerten sich die Firmen, die Tankschiffe des Bayerischen Lloyd zu betanken, die das Öl nach Deutschland brachten. Schließlich erzwang die rumänische Regierung, die Schiffe für Deutschland zu betanken, da man unliebsame Eingriffe seitens der Deutschen befürchtete. Deswegen dachte man auf Seiten der Alliierten an eine Sperrung der Donau am Eisernen Tor (an Grenze jugoslawisches Staatsgebiet), was durch einen Brandenburger Einsatz verhindert werden konnte. Aber grundsätzlich konnten die Rumänen agentenverdächtige Personen nur ausweisen, die dann über die jugoslawisch-rumänische Grenze wieder zurückkamen. Die rumänischen Behörden forderten dann die ausländischen Ölfirmen auf, mehr Öl zu fördern, die sich hingegen sträubten. Sie entließen daraufhin rumänische Arbeiter und brachten ihre eigenen Leute auf den Ölfeldern unter. Die deutsche Abwehr hatte das Gefühl, als wollten die Ölgesellschaften die Produktion ganz einstellen. Daraufhin drangen nachts Einsatztrupps mit englischen Sprengstoff in die Firmengelände ein und versteckten es dort. Danach konnte die rumänische Polizei zugreifen, und die verdutzten Manager, die gerade eine Tagung abhielten, des Landes verweisen, genauso wie alles ausländische Personal. Jetzt erst konnten deutsch- rumänische Leute in den Ölfeldern für eine entsprechende Förderung sorgen.
Mit der Kriegserklärung an Rumänien 1942 bombardierte man die Ölfelder mit nur geringer Wirkung auf die Produktion. Dann kam der verlustreiche „Operation Tidal Wave“ genannte  Angriff für die Alliierten am 1. August 1943, der "überstürzt" geflogen werden musste, weil man die geknackten deutschen Schlüssel Ende Juli verloren hatte und somit die vorhandenen Daten wenigstens noch halb aktuell waren. Die Gesamtproduktionskapazität sank auf ca. 50 Prozent. Die Jahresproduktion 1943 betrug damit nur noch rund 850.000 Tonnen.

Der letzte Luftangriff fand am 19. August 1944 statt. Am 23. August 1944 vollführte Rumänien nach dem Königlichen Staatsstreich eine politische und militärische Wende, in deren Folge die deutschen Truppen das Land verließen. Am 24. August 1944 wurden die Ölanlagen von der Roten Armee eingenommen.

Ab den 1950er-Jahren gelang Rumänien mit der Erschließung tieferer Lagerstätten sowie dem Einsatz moderner Gewinnungsverfahren, für rund 40 Jahre das Land mit Erdöl zu versorgen und zeitweise auch größere Mengen zu exportieren. 1973 wurde mit rund 16,5 Mill. Tonnen der immerwährende Produktionsrekord aufgestellt. Seither ist die Produktion rückläufig und beträgt gegenwärtig (2010) rund 6 Mill. Tonnen, womit ca. 55% des rumänischen Bedarfs gedeckt werden kann.

 
Weiter: Am Beginn des Erdölzeitalters in den USA

zuletzt geändert: 17.05.2011


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