Erdöl und Erdgas
in Österreich




 

Österreich wird kaum mit Erdöl und Erdgas in Verbindung gebracht. Dennoch spielt das Land heute eine wichtige Rolle in der Gewinnung und im Handel mit diesen noch immer wichtigsten Energieträgern.
Österreich war stets Vorreiter in der Förderung und Nutzung von Erdöl, wobei der Ursprung des Rohstoffs anfangs allerdings in Galizien in der nordöstlichen Ecke der Donaumonarchie lag.
 


Oberösterreich und Salzburg

Das größte Ölfeld Kontinentaleuropas liegt vor den Toren Wiens und hat bisher schon rund 80 Millionen Tonnen Öl geliefert. Wie auch die Ölfelder Galiziens und jene bei Ploesti in Rumänien liegen jene des Wiener Beckens an der Außenseite des Karpatenbogens.

Geologie
Vor rund 100 Millionen Jahren erstreckte sich über weite Bereiche des heutigen Südeuropas ein Meer, aus dem das Urgesteinsgebirge der Böhmischen Masse (heutiges Mühl- und Waldviertel) sowie die damals in Entstehung begriffenen Alpen ragten. Infolge des damals warmen Klimas war das Urmeer überaus reich an Plankton. Gleichsam herrschte aber in den Tiefen dieses Meeres ein Sauerstoffmangel, wodurch die Verwesung der abgestorbenen und zu Boden sinkenden Mikroorganismen gestoppt wurde. Am Grund der Meeresbecken bildeten sich dicke Schichten von Faulschlamm, bestehend aus den abgestorbenen Mikroorganismen und den stetig eingeschwemmten Verwitterungsprodukten der Gebirge.
Mit der Bildung der Alpen entstand im Bereich des heutigen nördlichen Alpenvorlandes ein in West-Ost-Richtung verlaufendes Meeresbecken, dessen Urgesteinsboden in Nord-Süd-Richtung abfällt. Das Urgestein (= Granit) wird heute im Raum Wels bei etwa 1000 m Tiefe angetroffen, in Sattledt sind es etwa 1800 m, bei Kirchdorf schon über 3000 m.
Diese Schrägstellung entstand, indem sich die sich auffaltenden Alpen über das Urgestein schoben und dieses nach unten drückten. Dabei gelangten auch große Mengen der Faulschlammablagerungen unter die Gesteinsmassen des sich auftürmenden Gebirges. Der hohe Druck und Temperaturen von 70° bis 270° C führten zur Bildung von Erdöl. Bei noch größerer Überlagerung und damit höherer Temperatur zersetzte sich das Öl zu Gas.
Das in Oberösterreich angetroffene Erdöl entstand somit aller Voraussicht nach vor etwa 35 Mill. Jahren unter den Alpen, wurde in der Folge von dort heraus gepresst und breitete sich in in Sandsteinschichten – hauptsächlich des Obereozäns –, welche knapp über dem Urgestein liegt, Richtung Norden aus, bis es sich an den Bruchlinien staute und sammelte. Die meisten Erdöllagerstätten im Alpenvorland befinden sich in einer Sandsteinschicht aus dem Eozän (ca. 45 Mill. Jahre alt), einige wenige auch in einer Sandsteinschicht aus der Kreidezeit (ca. 95 Mill. Jahre alt) sowie aus dem Jura (ca. 170 Mill. Jahre alt).
Das den jungen Alpen vorgelagerten Meeresbecken waren vor rund 20 Millionen Jahren noch immer mit nährstoffreichem Meerwasser gefüllt, sodass es weiter zu Faulschlammablagerungen kam. Aus den Gebirgen wurden ständig große Mengen an Sedimenten eingeschwemmt und füllten mit der Zeit das Becken völlig auf. Aus den in den Sedimenten eingeschlossenen Faulschlammansammlungen konnte sich wegen des zu geringen Drucks kein Erdöl bilden. Durch bakterielle Zersetzung entstand jedoch direkt Erdgas.
Die Öl- und Gasfelder in Oberösterreich und dem angrenzenden Salzburger Flachgau liegen in einer Zone, die sich quer durch das südliche Alpenvorland von der Bairischen Grenze bis zur Enns im Osten erstreckt. Die Ölvorkommen liegen in Tiefen von 680 bis 3000 m, wobei die größten Lagerstädten im mittleren Oberösterreich südlich von Wels und in Tiefen von 1100 bis 2500 m anzutreffend sind. Die Lagerstätten liegen in ein bis zwei Schichten knapp über dem Urgesteinsboden, der von Nord nach Süd abfällt (bei Schärding ca. 200 m, bei Wels ca. 900 m, am Alpenrand über 3000 m).
Die Erdgaslagerstätten liegen wegen ihrer unterschiedlichen Entstehungsgeschichte und Migration in Sandsteinschichten unterschiedlichen Alters (älteres Miozän ca. 18 Mill. bis Kreidezeit ca. 100 Mill. Jahre alt) in einem großen Tiefenbereich, der von ca. 250 m (bei Wels, Bad Hall und Steyr) bis in rund 2200 m (im Grenzgebiet des südlichen Innviertels zum Salzburger Flachgau). Die reichhaltigsten Lagerstätten findet man im Salzburger Flachgau sowie im anschließenden Oberösterreichischen Attergau in Tiefen von 700 bis 1700 m.
Vorgeschichte – Zufallsfunde in Bad Hall, Wels und Leoprechting
Die ältesten Berichte über das Auftreten von Erdgas in Oberösterreich kommen aus Bad Hall. Dort wurde schon am Beginn des 19. Jahrhunderts im Schlier wiederholt das Auftreten von brennbaren Naturgasen in Begleitung von jod- und bromhaltigen Salzwässern beobachtet, ohne dass daraus aber ein Nutzen gezogen worden wäre. Weiters vermerkt die Chronik in den späten 1880er-Jahren das Ausströmen brennbarer Gase aus der Tassilo- und der Guntherquelle in Bad Hall, welche „ganz schön gebrannt haben, und es kam sogar in Form von schlagenden Wettern zu kleinen Explosionen. Benutzt wurde dieses Gas nicht" (Koch, 1894). Einer, wenn auch bescheidenen, Nutzung sollte ab 1925 das der Bohrung Johannis mit einer Tagesrate von 100m³ entströmende Gas zugeführt werden, um im Labor des Kurbetriebes für Heizzwecke genutzt zu werden. Als 1941 mit dem Pumpen des Jodwassers begonnen wurde, kam diese geringe Erdgasförderung aber zum Erliegen.
Im Raum Wels mit seinem Kiesuntergrund gab es seit jeher einen Mangel an gutem Wasser. Auf der Suche nach gutem Wasser ließ der Gärtner Ammer im Herbst 1891 auf seinem Grundstück auf gut Glück eine Bohrung auf artesisches Wasser (bei dem das Wasser durch einen Überdruck des Grundwassers selbsttätig aufsteigt) vornehmen. Der Erfolg der am 15. Jänner 1892 beendigten und bis auf 250 m Teufe hinab gehenden Tiefbohrung war jedoch überraschend. Ammer hatte sich nicht nur hinreichende Quantitäten von Wasser erbohrt, sondern auch eine Menge an brennbaren Gasen.
Der Ammer'sche Gasfund war für etliche Unternehmer ein Anreiz, es ihm gleich zu tun. Ammers Fund scheint jedoch zu den reichhaltigsten zu zählen, produzierte der Brunnen doch viele Jahre, ehe er durch Verschlammung immer „seichter" wurde und der Gasstrom 1929 zum Erliegen kam.
Inspiriert von den Welser Gasfunden, und hier besonders von den lukrativen Anwendungsmöglichkeiten setzte im ausklingenden 19. Jahrhundert in Wels und Umgebung ein regelrechter Gasboom ein und binnen weniger Jahre wurden in und um Wels her 100 Bohrlöcher abgeteuft. Die Chronik von Wels 1900 berichtet „das einzig dastehende Beleuchtungsmaterial von Wels, das Erdgas, steigt noch mit derselben Reichhaltigkeit wie früher aus der Erde und Unternehmungslustige erbohren stets neue Brunnen. Der 1898 erschlossene Pfeiffersche Brunnen liefert bei einer Teufe von 280 Metern 67 Flammen, heizt 14 Zimmeröfen, treibt einen 18 pferdekräftigen Motor und liefert in der Stunde fast 100 Hektoliter artesisches, jodhältiges Wasser."
Spektakulär war der Unfall vom 6. Oktober 1894, als es bei der Bohrung der "Wolfsegg Kohlengewerkschaft" am nördlichen Stadtrand von Wels zu einem Gasausbruch kam und sich das Gas am heißen Dampfkessel entzündete. Über mehrere Tage verbrannten tausende Kubikmeter Gas, ehe der nachlassende Druck und in das Bohrloch einstürzendes Erdreich dem Spuk ein Ende bereiteten.
In Summe wurden in Wels bis 1946 rund 150 Gasbrunnen erbohrt. Noch in den 1930er-Jahren besaßen die Welser Gasbrunnen einen weithin bekannten Ruf. So wurde 1933 in Wien anlässlich der Wiener Frühjahrsmesse eine Sonderausstellung unter dem Titel „Jod- und Erdgasgewinnung der Stadt Wels" durchgeführt. 1948 wurden noch 70 aktive Erdgasquellen für Beheizung und Beleuchtung gezählt. Bis Anfang der 1990er-Jahre hat das Allgemeine öffentliche Krankenhaus der Schwestern vom Heiligen Kreuz einen Teil seines Energieverbrauchs noch mit dem Gas der hauseigenen Brunnen gedeckt und einer der allerletzten, heute noch betriebsfähigen Gasbrunnen befindet sich in Wels im Garten der „Kaiserkrone" nächst dem Bahnhof. Dass gelegentlich auch als längst verfüllt geltende Brunnen noch unliebsame Lebenszeichen von sich geben können, zeigt ein erst im Mai 2003 auf dem Betriebsgelände der Firma Kärcher in Wels beobachteter unkontrollierter Gasaustritt aus einem aus dem Jahr 1907 stammenden Brunnen.
Die erste nach erdölgeologischen Kriterien durchgeführte Bohrung war die 1902/03 abgeteufte ärarische (= staatliche) Tiefbohrung des Ackerbau-Ministeriums. Nach den ersten Gasfunden am Ende des 19. Jahrhunderts sicherte man sich 195 Freischürfe, um die Quelle der Gasbildung zu erforschen. Die damals auf diesem Gebiet führenden Wissenschaftler bestimmten geeignete Stellen für bis zu drei Bohrungen und kamen zum richtigen Schluss, dass die Bohrung etwa 1000 m tief sein müsste, um das Urgestein zu erreichen.
Ehe die Bohrung niedergebracht werden konnte, musste die Finanzierung gesichert werden. Hiezu wurde am 16. Februar 1902 ein aus einer größeren Anzahl von Lokalinteressenten in Wels bestehendes Konsortium gebildet. Für drei auf jeweils 1000 m abzuteufende Bohrungen plus Nebenausgaben wurden 300.000 Kronen veranschlagt, welche durch Auflage von 600 Anteilscheinen zu je 500 Kronen aufgebracht werden sollten. Nicht nur in Oberösterreich, sondern auch in Salzburg, Wien und selbst im Deutschen Reich fanden sich Abnehmer für diese Aktien, sodass am 10. Oktober 1902 mit der ersten Tiefbohrung begonnen werden konnte. Diese fand im Juli 1903 ihre Endteufe bei 1048 m den kristallinen Molasseuntergrund. Bis etwa 470 m wurde immer wieder Gas registriert und bei 937 m wurde Ölsandstein angetroffen, bei dessen chemischer Analyse sich Benzindämpfe entwickelt haben sollen. Kohlenwasserstoffe in gewinnbaren Mengen wurden nicht festgestellt - kurzum, die ärarische Bohrung hat 140.000 Kronen verschlungen, blieb trocken, den Geldgebern ist die Lust vergangen und noch 1903 wurden „Erdöl-Tiefbohrgesellschaft Wels“ liquidiert. Bis zur Entdeckung des nahen Ölfeldes Wels durch die ÖMV sollten 72 Jahre vergehen.

Eurogasco-Bohrung bei Lambach 1932
(nicht fündig)

Ähnlich den frühen Bad Haller und Welser Gasaustritten wurden um 1900 in Oberösterreich wiederholt Hinweise auf Erdöl bzw. Spuren davon wahrgenommen. Derartige Fundorte sind Wels, Kleinmünchen, Ebelsberg, Lustenau, Grieskirchen, Wimsbach, Winetsham, Inding, Leoprechting, Ober- und Unterteufenbach, Suben, Lengfelden, Wildshut, Ibm und Mauerkirchen.

1906 wurde zufällig anlässlich einer Brunnenbohrung in Leoprechting bei Taufkirchen an der Pram (nahe Schärding) und einige Jahre später in Echtenham in 120 bis 170 m Tiefe Schweröl angetroffen. Noch vor dem 1. Weltkrieg wurden eine Reihe von Bohrungen und Schachtgrabungen in der Nähe der Fundpunkte vorgenommen. Während des 1. Weltkrieges wurden etwa 200 Tonnen Öl gewonnen und im Rohzustand als Schmiermittel für Luftschiffe verwendet. Wegen der Dickflüssigkeit des Öls war die Gewinnung sehr mühsam und wurde nach Kriegsende wieder eingestellt.

1925/26 und 1939/40 erfolgten seismische Untersuchungen des Gebiets. In deren Folge soll aber nur in Winetsham bei Andorf, 4 km südlich von Leoprechting, Schweröl festgestellt worden sein.

Bedingt durch die Rohstoffknappheit wurde die Förderung in Leoprechting 1944 aber wieder aufgenommen. Das Unternehmen wurde 1945 verstaatlicht und trug den Namen "Pram-Erdöl-Explorations-Gesellschaft m.b.H." (PRAM). Bis 1952 konnten insgesamt über 4000 Tonnen Öl gewonnen werden.
Die zähflüssige Masse konnte unter den gegebenen Druck- und Temperaturverhältnissen nicht gepumpt werden. Anfänglich wurde das sich am Grund der Bohrlöcher sammelnde Öl geschöpft. Um die Fördermengen zu erhöhen, ging man bald dazu über, die Sohle der Bohrlöcher mittels elektrischer Heizstäbe zu erwärmen. Zusätzlich wurde heißem Dampf eingeleitet.
Die Förderung des im Bohrloch angesammelten Öls erfolgte dann durch Airliften. Dabei wurde Luft durch den Zwischenraum von Bohrloch und Steigrohr nach unten gepresst und drückte dort das Öl durch Löcher in das Steigrohr, das allerdings wegen der Zähigkeit des Öls zusätzlich warm gehalten werden musste. Anfänglich brachte die Gewinnung erhebliche Probleme mit sich, sodass die Fördermengen sehr bescheiden ausfielen. Von 1945 bis Mitte 1948 konnten z.B. nur ganze 97,2 Tonnen Öl gewonnen werden, was einer Jahresförderung von etwa 30 Tonnen entspricht. In den Folgejahren konnte die Gewinnungsmethode erheblich verbessert werden, sodass in Summe in Leoprechting bis 1952 aus insgesamt 124 Bohrungen 4311 Tonnen Schweröl gefördert werden konnten, das vornehmlich als Bitumen für den Straßenbau unter dem Markennamen "Prambit" verkauft wurde. Etwa ein Zehntel des österreichischen Bedarfs konnte um 1950 damit gedeckt werden. Die Förderung wurde aber 1952 wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt.

Weitere zwischen 1932 und 1944 in Oberösterreich niedergebrachte Bohrungen führten zwar zu keinen wirtschaftlichen Lagerstätten, zeigten jedoch das grundsätzliche Vorhandensein von Erdöl und -gas an.

Nachkriegsgeschichte – erfolgreiche Suche
In den 1950er-Jahren gewann die Erkundung nach Erdölvorkommen in Oberösterreich neue Bedeutung. Eine wichtige Rolle nahm dabei die „Rohöl-Gewinnung AG“ – kurz RAG –  ein. Die RAG wurde 1935 von der Socony-Vacuum Oil, Inc. (später Mobil Oil Corporation) und der N.V.de Bataafsche Petroleum Maatschappij (später Royal Dutch Shell) gegründet. Der Gesellschaft gelang 1937 der erste größere Ölfund mit der Sonde RAG II etwa zwei Kilometer nördlich von Zistersdorf in Niederösterreich, worauf man sich mit 7000 Freischürfrechten den größten Teil des Wiener Beckens sicherte. Mit dem „Anschluss“ an Nazi-Deutschland 1938 gingen die Schürfrechte mit Ausnahme der beiden bereits in Förderung stehenden Ölfelder RAG und Gaiselberg verloren. Auch nach dem 2. Weltkrieg war infolge der Bedeutung der Ölförderung für die sowjetische Besatzungsmacht nicht an eine Rückübereignung von Schürfrechten im Wiener Becken zu denken. Als Ausgleich erhielt die RAG zunächst 1947 von der Geologischen Bundesanstalt Forschungsaufträge im westlichen Bereich von Oberösterreich (damals US-Besatzungszone).
Nach etlichen Fehlversuchen konnte 1956 die erste ergiebige Quelle bei Puchkirchen nahe Vöcklabruck erschlossen werden (Tiefe ca. 2360 m). 1958 wurde das erste größere Ölfeld bei Ried im Innkreis in etwa 1400 m Tiefe entdeckt.

Ölpumpe der Sonde "V33" im größten Feld in OÖ. Voitsdorf - ca. 2100 m tief.

Die Öl- und Gasfelder im Alpenvorland Oberösterreichs
rot = Ölfeld
grün = Gasfeld
gelb = Gasfeld im Speicherbetrieb
1960 erfolgte die Ausweitung des Konzessionsgebietes der RAG in Oberösterreich in den Raum südlich von Wels, was schon 1962 zur Erschließung des bisher weitaus größten Ölfeldes in Oberösterreich Voitsdorf (südwestlich von Kremsmünster) führte, aus dem bisher über 3 Mill. Tonnen Rohöl aus etwa 2100m Tiefe gefördert werden konnten.

1968 kam es zur Entdeckung des Vorkommens Eberstalzell (Tiefe 2070 m), 1971 wurde in Sattledt das bislang zweitgrößte Ölfeld in Oberösterreich erschlossen, aus dem bis heute nahezu eine Million Tonnen Rohöl aus ca. 1700 m Tiefe gewonnen werden konnten. 1979 folge das Ölfeld Kemating. Neben den genannten größeren Ölfeldern (Ertrag bisher über 500.000 Tonnen) wurden von der RAG noch etwa 30 kleinere Vorkommen entdeckt.

Der nordöstliche Teil des oberösterreichischen Alpenvorlandes ist seit 1960 Konzessionsgebiet der ÖMV. 1968 wurde hier das kleine, aber sehr ergiebige Ölfeld Piberbach (Tiefe ca. 1100 m) bei Kematen an der Krems entdeckt, das bis zur Einstellung der Förderung 1998 rund 600.000 Tonnen Rohöl lieferte. Daneben konnte die ÖMV in Oberösterreich nur zwei kleine Ölvorkommen (Gesamtförderung ca. 90.000 Tonnen) und einige Gasfelder entdecken, wovon nur das 1969 erschlossene Gasfeld Thann/Stadlkirchen knapp nördlich von Steyr größere Mengen an Gas enthielt und heute teilweise als Untergrundspeicher genutzt wird.
In den 1990er-Jahren führte die OMV überdies ein umfangreiches Prospektionsprogramm im Bereich der nördlichen Flyschzone der Alpen durch, da man sich in den Sedimentschichten unter den Voralpen reiche Öl- und Gaslagerstätten erhoffte. Die Bohrungen wurden bis zum Urgestein getrieben, das man oft erst in Tiefen von über 5000 m antraf. Man fand jedoch nur vereinzelt unwirtschaftliche Mengen an Kohlenwasserstoffen (Öl in ca. 4900 m Tiefe bei Grünau im Almtal, Gas in ca. 3400 m Tiefe in Bodinggraben bei Molln). Gegenwärtig findet, abgesehen vom Gasspeicherbetrieb Thann bei Steyr, von der OMV in Oberösterreich keine Förderung statt.
Der Höhepunkt der Erschließungstätigkeit in Oberösterreich erfolgte in den 1970er-Jahren.1970 erreichte die Förderung einen Spitzenwert von über 350.000 Tonnen davon 60% (rund 220.000 Tonnen) alleine aus dem Feld Voitsdorf.

Durch den Ölpreisverfall in den 1980er-Jahren wurde die Ölförderung hierzulande unrentabel. Man konzentrierte sich vermehrt auf die Erschließung der reichen Erdgasvorkommen besonders im westlichen Teil des Alpenvorlandes. Diese liegen oft in verhältnismäßig geringer Tiefe und erfordern eine wenig aufwändige Gewinnungslogistik.


Wartung der Erdölsonde "Sattledt 1", daneben die Sonde "Sattledt 23" (beide ca. 1700 m tief).


Neubohrung der Sonde "Mayersdorf 1" bei Eberstalzell in Oberösterreich im Oktober 2000 (Tiefe ca. 2250 m).

Bis heute konnten in Oberösterreich und dem angrenzenden Salzburger Flachgau etwa 60 Erdgasfelder erschlossen werden, wovon jedoch nur 7 eine gewinnbare Menge von über 500 Millionen Kubikmeter aufweisen. Von 1973 bis 2004 konnten daraus jährlich zwischen 700 Millionen und einer Milliarde Kubikmeter Erdgas gefördert werden. Bis 2010 ging die Förderung auf rund 300 Mill. Kubikmeter zurück, da einige große Lagerstätten ausgefördert sind. Diese eignen sich aber teilweise hervorragend als Untergrundspeicher. Insgesamt waren in Oberösterreich und Salzburg 2010 etwa 110 Erdgasfördersonden in Betrieb.
Erst seit einigen Jahr kann wegen der hohen Ölpreise eine verstärkte Suche nach neuen Ölvorkommen in Oberösterreich beobachtet werden. Im westlichen und östlichen Teil des Feldes Voitsdorf wurden neue Bohrungen niedergebracht und bei Bad Hall wurde im April 2000 ein kleineres Vorkommen entdeckt. Im Winter 2006 gelang schließlich mit der Bohrung "Hiersdorf 1" bei Wartberg an der Krems in rund 2400 m Tiefe ein größerer Ölfund.

In umfangreichen Prospektionsprogrammen wird seit einigen Jahren das Konzessionsgebiet der RAG einer eingehenden Untersuchung der Bodenschichten mittels 3D-Seismik unterzogen. Als erste Resultate gelang 2008 die Entwicklung eines schon 2002 entdeckten ausgedehnten Ölfeldes bei Bad Hall und 2010 begann bei Sierning die Erschließung eines Öl- und Gasvorkommens, das 2008 entdeckt wurde und zu den größten in Oberösterreich zu rechnen ist.

Während Mitte der 1970er-Jahre etwa 100 Ölfördersonden in Oberösterreich in Produktion standen, lieferten im Sommer 2010 etwa 40 Sonden zusammen etwas mehr als 100.000 Tonnen Rohöl. Insgesamt wurden in Oberösterreich bisher rund 40 Ölfelder entdeckt, wovon jedoch nur 15 Felder Fördermengen von mehr als 100.000 Tonnen erreichten bzw. aus gegenwärtiger Sicht erreichen werden.

Bohrung "Hiersdorf 2" bei Wartberg an der Krems im Dezember 2006.
Die bisher in Oberösterreich geförderte Rohölmenge beträgt ca. 9 Millionen Tonnen, von denen fast 40% aus dem Feld Voitsdorf stammen. Nimmt man die 5 Ölfelder mit einer bisherigen Produktion von über 500.000 Tonnen zusammen, so stammt rund 70% aus diesen.
In den letzten Jahren erlangte in Oberösterreich und Salzburg die Speicherung von Erdgas in ausgeförderten Gaslagerstätten eine große Bedeutung. Schon seit 1977 nutzt die OMV das Gasfeld Thann knapp nördlich von Steyr als Gasspeicher.
Als besonders gut für Speicherzwecke geeignet zeigten sich jedoch die mächtigen Gaslagerstätten Salzburger Flachgau sowie im westlichen Oberösterreich. Der Speicher Haidach bei Straßwalchen stellt gegenwärtig sogar die zweitgrößte Anlage in Westeuropa dar. Weitere Speicherprojekte sind in Bau und Planung.

Untergrundspeicher für Erdgas in Oberösterreich und Salzburg:

  • Haidach bei Straßwalchen (Salzburg), (RAG mit Beteiligung von WINGAS und Gazprom Export), seit 2007 mit 1,2 Mrd. Kubikmeter, seit 2011 mit 2,64 Mrd. Kubikmeter; Tiefe 1600 m

  • Puchkirchen bei Timelkam (OÖ), (RAG), seit 1982 mit 860 Mill. Kubikmeter in 1100 m Tiefe

  • Nussdorf am Haunsberg (Salzburg), (Teil des Gesamtprojekts "Seven Fields" von RAG mit Beteiligung von E.ON Gas Storage), seit 2011 mit 705 Mill. Kubikmeter in 1500 m Tiefe

  • Zagling zwischen Straßwalchen und Frankenmarkt (Salzburg), (Teil des Gesamtprojekts "Seven Fields" von RAG mit Beteiligung von E.ON Gas Storage), seit 2011 mit 450 Mill. Kubikmeter

  • Haag am Hausruck (OÖ), (RAG) seit 2010 mit ca. 300 Mill. Kubikmeter in 1000 m Tiefe; Betrieb gemeinsam mit der 17 km entfernten Speicheranlage Puchkirchen

  • Thann bei Steyr (OÖ), (OMV), seit 1977 mit 250 Mill. Kubikmeter in 650 m Tiefe

  • Aigelsbrunn bei Straßwalchen (Salzburg), (RAG), seit 2011 mit 100 Mill. Kubikmeter in 1350 m Tiefe; Betrieb von der 5 km entfernten Anlage Haidach 5 aus

  • Haidach 5 bei Straßwalchen (Salzburg), (RAG), seit 2006 mit 15 Mill. Kubikmeter in 1450 m Tiefe

Speicher in Bau:

  • Oberkling in Auerbach bei Mattighofen (OÖ), (Teil des Gesamtprojekts "Seven Fields" von RAG mit Beteiligung von E.ON Gas Storage), Baubeginn 2011

Weiter: Öl- und Gasförderung in Sattledt

zuletzt geändert: 27.05.2011


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