Österreich und das Erdöl



Österreich war bis in die 60er-Jahre bei Erdöl Selbstversorger. Gerade in der Nachkriegszeit wurden jährlich viele Millionen Tonnen des "Schwarzen Goldes" aus dem Boden geholt, wobei allerdings die Russen bis 1955 einen Gutteil als Wiedergutmachung für die Kriegsschäden beanspruchten.

Im fernen Galizien und an der Pram
Im ehemaligen Kronland Galizien der Donaumonarchie (heute Westukraine) begann 1854 das Erdölzeitalter, indem dort zahlreiche Schächte gegraben wurden, um daraus Erdöl zu schöpfen und Erdwachs abzubauen. Durch diese dort leicht zu erschließenden und überaus ergiebigen Vorkommen bestand keine Notwendigkeit, in anderen Teilen des Reiches nach Erdöl zu suchen.
In Oberösterreich stieß man bei Brunnenbohrungen bei Wels 1891 zufällig auf Erdgas, wobei auch Spuren von Erdöl auftraten. 1906 wurde schließlich bei Taufkirchen an der Pram ein Schwerölvorkommen entdeckt. Mehr darüber lesen Sie hier.
1912 war die Österreichisch-Ungarische Monarchie mit 2,88 Mill. Tonnen, welche fast ausschließlich aus Galizien stammten, das drittgrößte Ölförderland der Erde.
  
Der Beginn in Österreich
Durch den 1. Weltkrieg war Österreich von den galizischen Ölvorkommen abgeschnitten. Eine umfangreiche Prospektion nach Kohlenwasserstoffen in Österreich begann, brachte aber vorerst nur Zufallsfunde, die kaum geeignet waren, die Abhängigkeit von teuren Importen zu vermindern. Erst mit der Erschließung der Ölfelder RAG 1937, Gaiselberg 1938, St. Ulrich-Hauskirchen 1938 und Van Sickle-Plattwald 1939 (alle rund rund um das Städtchen Zistersdorf ca. 40 km nordöstlich von Wien gelegen) wurde eine bedeutende Erdölproduktion erreicht.

Das 1942 von der deutschen DEA entdeckte Feld Mühlberg in der nordöstlichsten Ecke Österreichs hat 15 Horizonte in 1200 bis 1700 m Tiefe (Ausdehnung ca. 2 km², über 100 niedergebrachte Bohrungen, Gesamtproduktion bisher nahezu 10 Mill. Tonnen, derzeit noch etwa 15 produktive Sonden; Luftaufnahme oben aus den 60er-Jahren).

Ölpumpen inmitten von Weingärten prägen noch heute das Landschaftsbild der Gegend nördlich von Gänserndorf im nordöstlichen Niederösterreich.
Mit dem "Anschluss" Österreichs an Hitler-Deutschland 1938 waren die Ölfelder Österreichs von großer strategischer Bedeutung und wurden während der Kriegsjahre rücksichtslos ausgebeutet. 1945 wurden die Ölfelder von den Russen beschlagnahmt und der Russischen Mineralölverwaltung unterstellt, aus der 1955 die ÖMV hervorging. Es setzte eine rege Bohrtätigkeit ein.
1949 wurde bei der kleinen Gemeinde Matzen etwa 25 km nordöstlich von Wien das größte Ölfeld Mitteleuropas angebohrt. Wie sich nach und nach herausstellte, liegen in diesem Teil des Wiener Beckens Erdöl- und Erdgasvorkommen in über 20 Schichten. Anfänglich wurde nur aus geringen Tiefen gefördert. 1955 wurde das geschichtliche Maximum der österreichischen Ölförderung mit 3,7 Mill. Tonnen erreicht, wovon ein wesentlicher Teil als Reparation an die Sowjetunion abzuliefern war. Nach dem Abzug der Russen wurde die rücksichtslose Ausbeutung zugunsten einer Ressourcen schonenden Bewirtschaftung geändert. Gut 20 Jahre lang konnte damit eine konstant hohe Förderung von ca. 2,5 Mill. Tonnen gehalten werden.
Bedeutende Öl- und Gasvorkommen wurden ab den späten 50er-Jahren zwar auch in Oberösterreich erschlossen, konnten aber die rückläufige Förderung im Wiener Becken nicht wett machen. Immerhin konnte die Förderung seit Mitte der 80er-Jahre bei etwa 1 Mill. Tonnen konstant gehalten werden. Mit größeren Neufunden ist kaum mehr zu rechnen, da Österreich wahrscheinlich zu den am besten durch Bohrungen untersuchten Gebieten der Erde zählt.
  
Fördergebiete in Österreich
  


Die Erdölförderung Österreichs von 1930 bis 1997

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Die Öl- und Gasfelder im Wiener Becken:
rot = Ölfeld
grün = Gasfeld

Während früher die Ölfelder von "Wäldern" aus Fördertürmen gekennzeichnet waren, wird heute die Wartung der Ölförderstellen mit transportablen Geräten durchgeführt. Ein letzter "Wald" aus etwa 20 Fördertürmen fand sich vor einigen Jahren noch bei St. Ulrich an der Zaya (ca. 50 km nordöstlich von Wien), wo aus dem 1939 entdeckten Van-Sickle-Ölfeld gefördert wird (Tiefe 500 bis 1600 m).

Das 1938 erschlossene Ölfeld Zistersdorf-Gaiselberg (40 km nordöstlich von Wien) wurde zum Synonym für den Erdölreichtum des Wiener Beckens, obwohl nach dem 2. Weltkrieg noch wesentlich größere Felder erschlossen werden konnten. Das Feld Gaiselberg misst nur etwa 2 mal 1,5 km (Öl führende Fläche ca. 2,5 km²), es existieren jedoch hier durch eine spezielle geologische Situation - dem so genannten Steinbergbruch - etwa 10 Öl führende Schichten übereinander in Tiefen von 1050 bis 2400 m. Nahezu 100 Bohrungen wurden hier schon niedergebracht, wovon 2001 noch aus etwa 25 Sonden gefördert wurde.

Fördersonden im letzten großen in Österreich erschlossenen Ölfeld Hochleithen bei Wolkersdorf (1977 erschlossen).

Ölpumpen in Reih und Glied im ausgedehntesten Ölfeld des europäischen Festlandes bei Matzen (ca. 25 km nordöstlich von Wien).

Mit dem Fortschritt in der Bohrtechnik konnten auch die tiefen Erdöllagerstätten (bis 3500 m) erschlossen werden. 1977 konnte in 6100 m Tiefe bei Schönkirchen ein riesigen Erdgasfeld erbohrt werden. Prospektionsbohrungen wurden jedoch bis an den Grund des Wiener Beckens getrieben (tiefste Bohrung in Österreich bei Zistersdorf 8553 m - lange Zeit die tiefste Bohrung Europas außerhalb der UdSSR).


Ölpumpe der Sonde "V33" im größten Feld in OÖ. Voitsdorf - ca. 2100 m tief.

Die Öl- und Gasfelder im Alpenvorland Oberösterreichs
rot = Ölfeld
grün = Gasfeld
gelb = Gasfeld im Speicherbetrieb

Die Öl- und Gasfelder in Oberösterreich liegen in einer Zone, die sich quer durch das südliche Alpenvorland von der Bairischen Grenze bis zur Enns im Osten erstreckt. Die wesentlichen Ölvorkommen liegen in Tiefen von 1100 bis 2600 m (bei Wels nur 900 m, am Alpenrand über 3000 m), wobei durch die geologische Struktur ein Abfall von Nord nach Süd festzustellen ist. Die Gasfelder liegen meist in Tiefen von 600 bis 1200 m (In einer Zone von Wels bis Steyr kleinere Gasvorkommen in nur 250 bis 400 m Tiefe, im westlichen Landesteil bis über 2000 m). Eine genauere Beschreibung finden Sie hier. Wegen der hohen Förderkosten und lange Zeit niedrigen Ölpreise hat sich in den letzten 20 Jahren die Suche nach neuen Vorkommen ausschließlich auf Erdgas konzentriert.


Wartung der Erdölsonde "Sattledt 1", daneben die Sonde "Sattledt 23" (beide ca. 1700 m tief).


Neubohrung der Sonde "Mayersdorf 1" bei Eberstalzell in Oberösterreich im Oktober 2000 (Tiefe ca. 2250 m).

Erst im letzten Jahr kann wieder - wegen der hohen Ölpreise - eine verstärkte Suche nach neuen Ölvorkommen in OÖ: beobachtet werden. Im westlichen Teil des Feldes Voitsdorf wurden neue Bohrungen nieder gebracht und bei Bad Hall wurde im April 2000 ein neues kleineres Vorkommen erschlossen. Im Winter 2006 gelang schließlich mit der Bohrung "Hiersdorf 1" bei Wartberg an der Krems in rund 2400 m Tiefe der größte Ölfund in Oberösterreich seit 25 Jahren.
Von etwa 100 Ölsonden in Oberösterreich Mitte der 70er-Jahre waren im Sommer 2006 noch etwa 40 in Produktion.

Bohrung "Hiersdorf 2" bei Wartberg an der Krems im Dezember 2006.

Links:
http://www.rohoel.at RAG-Seite mit Erklärungen der Suche, Erschließung und Förderung von Erdöl und Erdgas
http://www.oil-gas.at Infos des Fachverbandes der Mineralölindustrie Österreichs
http://www.oilhistory.com  Geschichte und Relikte des ältesten Ölfördergebietes der Erde im Nordwesten von Pennsylvania
http://www.spindletop.org Wo in Texas das Ölfieber begann
http://little-mountain.com/oilwell Die Erdölmuseen der USA
http://www.musee-du-petrole.com/all Das französische Erdölmuseum in Pechelbronn (in Deutsch)
http://www.deutsches-erdoelmuseum.de Das deutsche Erdölmuseum in Wietze bei Hannover
http://www.eia.doe.gov/oil_gas Statistiken des Amerikanischen Energieministeriums
http://www.rrc.state.tx.us/divisions/og/ activity/topprod.html Die größten Öl- und Gasfelder in Texas
  
Buchtip:
Erdöl und Erdgas in Österreich von Dr. Friedrich Brix und Dr. Ortwin Schultz, aus Veröffentlichungen aus dem Naturhistorischen Museum in Wien, Neue Folge 19, 1993

Weiter: Erdöl und Erdgas in Sattledt

zuletzt geändert: 03.01.2007


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