Erdöl
und Erdgas
in Österreich |


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Österreich wird kaum mit
Erdöl und Erdgas in Verbindung gebracht. Dennoch spielt das Land
heute eine wichtige Rolle in der Gewinnung und im Handel mit diesen
noch immer wichtigsten Energieträgern.
Österreich war stets Vorreiter in der Förderung und Nutzung von
Erdöl, wobei der Ursprung des Rohstoffs anfangs allerdings in
Galizien in der nordöstlichen Ecke der Donaumonarchie lag.
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Niederösterreich |
| Die
Ölvorkommen nordöstlich von Wien liegen so wie jene in Galizien und bei
Ploesti in Rumänien an der Außenseite des Karpatenbogens. |
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Geologie |
| Vor
rund 100 Millionen Jahren erstreckte sich über weite Bereiche des heutigen
Mitteleuropas ein Meer, aus dem das Urgesteinsgebirge der Böhmischen Masse (heutiges
Waldviertel) sowie die damals in Entstehung begriffenen Gebirge der Alpen und
Karpaten ragten. Infolge des damals warmen Klimas war das Urmeer überaus
reich an Plankton. Gleichsam herrschte aber in den Tiefen dieses Meeres ein
Sauerstoffmangel, wodurch die Verwesung der abgestorbenen und zu Boden
sinkenden Mikroorganismen gestoppt wurde. Am Grund der Meeresbecken bildeten
sich dicke Schichten von Faulschlamm, bestehend aus den abgestorbenen
Mikroorganismen und den stetig eingeschwemmten Verwitterungsprodukten aus
den Gebirgen. |
| Das
Wiener Becken bildet einen ca. 60 km breiten und 200 km langen in
nordwestliche Richtung verlaufenden Trog, und gilt als Prototyp eines
tektonischen Einbruchsbeckens. Hier hat die Erdkruste eine Schwächezone, was
sich auch heute noch in Erdbeben und durch das Auftreten von Thermalwasser
äußert. Nach dem Ende der Gebirgsbildung der Alpen und Karpaten vor ca. 20
Millionen Jahren sank das einst seichte Meeresbecken immer mehr ab, wodurch
es zu immer dickeren Überlagerungen mit weiteren eingeschwemmten Sedimenten
kam. Bei hohem Druck und Temperaturen von 70° bis 270° C erfolgte
schließlich die Bildung von Erdöl. Bei noch größerer Überlagerung und damit
höherer Temperatur zersetzte sich das Öl zu Gas, weswegen man im Wiener
Becken Erdöl nur bis etwa 3000 m Tiefe, jedoch sehr ergiebige Gasfelder bis
in nahezu 7000 m Tiefe findet. |
| Die
Geologie des Wiener Beckens ist zudem durch einige markante Störungslinien
und Staffelbrüche gekennzeichnet, die Höhendifferenzen von bis zu 6 km
aufweisen, was dem Relief eines ursprünglichen Gebirges vor der späteren
Erosion entspricht. In nordöstliche Richtung durch das Wiener Becken zieht
sich der Steinbergbruch (und quasi in südlicher Verlängerung der
Pirawarther-Hochleithner Bruch), entlang dessen sich viele meist
kleinräumige Erdöllagerstätten befinden. Südöstlich davon liegt in der so
genannten mittleren Hochzone des Wiener Beckens der großflächiger Öl- und
Gasfeldkomplex von Matzen – das mit über 100 km² Fläche größte
zusammenhängende Ölfeld Kontinentaleuropas – sowie die kleineren Felder
Aderklaa, Süßenbrunn und Wien-Breitenlee. Noch weiter im Südosten liegen
etliche Gasfelder, darunter jenes von Zwerndorf, das die größte einzelne
Erdgaslagerstätte Österreichs beinhaltet. |
| Die
meisten Erdöllagerstätten im Wiener Becken befinden sich hauptsächlich in
einem Tiefenbereich von 900 bis 2000 m (in Sandsteinschichten aus dem
mittleren Miozän (Sarmatium, Badenium, Ottnangium; 12 bis 20 Mill. Jahre
alt) und dem Eozän (ca. 45 Mill. Jahre alt). Allerdings sind die
Lagerstätten in den jüngeren geologischen Formationen durch Migration aus
dem tieferen – älteren – Muttergestein entstanden. So finden sich auch
einige wenige große Lagerstätten (Schönkirchen-Tief) in Kalksteinen
des Trias (200 bis 250 Mill. Jahre alt) in einem Tiefenbereich von 2700 bis
3100 m. |
| Die
Erdgasfelder des Wiener Beckens liegen in einem großen Tiefenbereich, der
von ca. 250 m (Wien-Oberlaa) bis in über 6000 m (Schönkirchen-Übertief)
reicht. Die ergiebigsten Lagerstätten findet man in Sandsteinschichten aus
dem mittleren Miozän (Sarmatium, Badenium; 12 bis 16 Mill. Jahre alt; Tiefe
meist 900 bis 200 m), dem Eozän (ca. 45 Mill. Jahre alt; Tiefe ca. 2000 m)
sowie in Kalksteinen des Trias (200 bis 250 Mill. Jahre alt; Tiefe 2500 bis 6100 m). |
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Vorgeschichte – von Egbell in der Slowakei nach Zistersdorf |
| Die
erste erfolgreiche Bohrung nach Erdöl im Wiener Becken erfolgte 1914 in
Gbely (Ungarisch Egbell) im äußersten Nordwesten der heutigen Slowakei. Der
Landwirt Ján Medlen vermeinte 1912 bei einer Wanderung durch ein Waldgebiet,
austretendes Gas wahrzunehmen. Er erwarb daraufhin den Wald und grub ein
Loch, dem tatsächlich einen größere Menge an Gas entströmte, das Medlen
umgehend zur Beheizung seines Hauses einsetzte. Im Umgang mit dem neuen
Brennstoff unerfahren, flog bald sein Haus in die Luft. Medlen überlebte,
handelte sich jedoch eine polizeiliche Untersuchung des Vorfalles ein.
Experten aus Budapest reisten an und befanden, dass es sich bei dem
explosiven Stoff um Erdgas handelte. |
| Die
Experten aus Budapest empfahlen jedoch auch, umgehend mit einer
systematischen Erschließung des Vorkommens zu beginnen. Medlen verkaufte
sein Waldstück an die öffentliche Hand und eine Spezialfirma begann Ende
1913 mit einer Bohrung, die am 10. Jänner 1914 in nur 164 m Tiefe nicht nur
auf Gas, sondern auch auf Erdöl stieß. |
| Nun
begann im beschaulichen Egbell ein Erdölboom. Für die härtesten Dienste
wurden ab 1914 Kriegsgefangene eingesetzt. An die vierhundert Männer waren
es, die das Tagessoll von fünfzehn Tonnen Erdöl zu erbringen hatten. Als
zehn Jahre darauf das Feld zu versiegen begann, konnte immerhin auf 180
Bohrungen und eine Fördermenge von 100.000 Tonnen zurückblicken. |
| Die
Vermutung, westlich von Egbell in Niederösterreich ebenfalls auf Erdöl zu
stoßen, ermutigte zu einer Bohrung bei St. Ulrich an der Zaya im Sommer
1915, welche allerdings erfolglos verlief. In Raggendorf bei Matzen wurde
1917 nach Erdöl gebohrt, doch reichte die eingesetzte Technik nicht, um in
jene Tiefen vorzustoßen, in denen Erdöl erhofft und später auch tatsächlich
gefunden werden konnte. |
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Ergebnislos blieben vorerst ebenso die Bohrungen des „Erdölpioniers“ und
k.u.k. Leutnants Friedrich Musil, der ab 1917 im Raum Neusiedl an der Zaya
nach Öl suchte. Musil benützte eine Bohranlage mit einem Holzturm und
Dampfmaschinenantrieb, womit eine Tiefe von 635 m erreicht werden konnte. Er
erwarb schließlich 1924 ein Gebiet, das achtzig Freischürfe am Steinberg
nordwestlich von Zistersdorf umfasste. Allerdings fand er in Österreich
zunächst keine Geldgeber. Eine französische Gruppe von Interessenten
finanzierte schließlich 1929 eine erste Flachbohrung und die Tiefbohrung
„Stefanie 1“, benannt nach Musils Gattin. |
| Am
30. August 1930 gelang schließlich der deutschen Gewerkschaft „Raky-Danubia"
mit der Bohrung „Windisch-Baumgarten 1“ knapp westlich von Zistersdorf
erstmals im österreichischen Teil des Wiener Beckens in 729 m Tiefe ein
Erdölfund. Der Bohrunternehmer Anton Raky versuchte, den Fund vorerst geheim
zu halten, sodass erst am 3. September 1930 die Presse davon erfuhr. Das
öffentliche Interesse schwand freilich bald, nachdem die Quelle bald nur
mehr 5 Tonnen
Rohöl täglich produzierte, um schließlich nur noch Gas und Wasser zu speien. |
| Am
22. August 1934 wurde die Bohrung „Gösting 2“ der
österreichisch-schweizerischen „Erdölproduktions Gesellschaft“ (EPG) fündig
und erreichte mit einer Tagesproduktion von 30 Tonnen Erdöl erstmals
wirtschaftliche Mengen. Die EPG hatte Anfang der 1930er-Jahre fünfzehn
Freischürfe von Musil erworben. 1932 übertrug Musil weitere drei Freischürfe
an die britisch-österreichische „Steinberg-Naphta AG“, deren am Ostrand des
Steinbergs gesetzte Bohrung „Neusiedl 1“ im Jahr 1936 Erfolg hatte. Während
der Arbeiten zur Aufnahme der Förderung von „Neusiedl 1“ kam es zu einem
Gasausbruch, dessen infernalisches Geheul die Bewohner von Neusiedl tagelang
in Schrecken versetzte. Um das Bohrloch entstand ein kleines Ölfeld von
insgesamt vier Sonden, das eine Gesamtförderung von rund 30.000 Tonnen
erreichte. |
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Während
früher die Ölfelder von "Wäldern" aus Fördertürmen
gekennzeichnet waren, wird heute die Wartung der Ölförderstellen mit
transportablen Geräten durchgeführt. Ein letzter "Wald" aus etwa 20 Fördertürmen
fand sich vor einigen Jahren noch bei St. Ulrich an der Zaya (ca. 50 km nordöstlich
von Wien), wo aus dem 1939 entdeckten Van-Sickle-Ölfeld gefördert wird (Tiefe 500 bis 1600 m).
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| Zu
den Pionieren der österreichischen Erdölindustrie zählt neben dem bereits
erwähnten Friedrich Musil der britische Staatsangehörige Keith van Sickle.
Van Sickles Vater hatte schon in Kanada begonnen, nach Öl zu bohren, ehe er
nach Polen übersiedelte, wo er allerdings wenig Erfolg hatte, denn Richard
van Sickle wechselte ins australische Queensland, wo er Bohrungen nach
Wasser für Schaffarmen durchführte. Schließlich ging er ins rumänische
Erdölgebiet von Ploesti, wo sich endlich ein Erfolg einstellte. Van Sickle
hatte mehrere ertragreiche Bohrungen niedergebracht, als ihn die britische
Regierung 1916 zwang, seine Förderanlagen wegen des Herannahens deutscher
Truppen zu zerstören. |
| Sohn
Keith erhielt seine Schulausbildung in England und arbeitete nach Abschluss
seines Studiums zunächst als technischer Bohrbetreuer in Rumänien. Technisch
versiert und ermutigt durch die ersten wirtschaftlichen Bohrungen im Wiener
Becken entschloss sich Keith van Sickle 1935 zur Gründung eines Unternehmens
in Österreich und erwarb von Friedrich Musil 48 Freischürfe im Gebiet um St.
Ulrich und Neusiedl an der Zaya. Eine erste Bohrung der „Britol Oil
Aktiengesellschaft“, wobei erstmals in Österreich das Rotary-Bohrverfahren
verwendet wurde, blieb allerdings trocken. |
| Kurz
danach musste er aus finanziellen Gründen etwa die Hälfte seiner Konzessionsgebiete an die „Deutsche Erdöl-AG“ (DEA) abtreten. Den Misserfolg der ersten Bohrung hoffte van
Sickle auch durch Lohnbohrungen für die DEA wettzumachen und wurde prompt fündig.
Seine erfolgreichen Bohrungen „St. Ulrich 1" und „St. Ulrich 2" erschlossen das damals
bedeutendste Ölfeld des Wiener Beckens. Wegen dieser Lohnbohrungen wurde
Keith van Sickle nach Kriegsende als Kollaborateur bezeichnet, weshalb ihm
letztlich die Unterstützung der Briten bei den Restitutionsverhandlungen
versagt blieb. |
| Im
Mai 1939 gelang der Britol Oil mit der Bohrung „van Sickle 2" der erste Ölfund
auf dem verbliebenen eigenen Freischürfgebiet. |
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Wenige Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs emigrierte van Sickle in die
Schweiz. Unter der Leitung seines Betriebsleiters erreichte das
Tiefbohrunternehmen R. K. van Sickle 1941 eine Rekordförderung von 141.000
Tonnen Rohöl. Bei Van Sickle waren 500 bis 600 Arbeiter beschäftigt, neben
einheimischen Bohrmännern zwangsverpflichtete Franzosen und Ukrainer sowie
Kriegsgefangene. |
| 1935
trat mit der Gründung der „Rohöl-Gewinnung AG“ (RAG), einer Gründung von
Socony-Vacuum Oil, Inc. (später Mobil Oil Corporation) und der N.V.de
Bataafsche Petroleum Maatschappij (später Royal Dutch Shell) das bald
wichtigste Ölförderunternehmen auf den Plan. |

Das 1938 erschlossene
Ölfeld Zistersdorf-Gaiselberg (40 km nordöstlich von Wien) wurde zum Synonym
für den Erdölreichtum des Wiener Beckens, obwohl nach dem 2. Weltkrieg noch
wesentlich größere Felder erschlossen werden konnten. Das Feld Gaiselberg
misst nur etwa 2 mal 1,5 km (Öl führende Fläche ca. 2,5 km²), es existieren
jedoch hier durch eine spezielle geologische Situation - dem so genannten
Steinbergbruch - etwa 10 Öl führende Schichten übereinander in Tiefen von
1050 bis 2400 m. Nahezu 100 Bohrungen wurden hier schon niedergebracht,
wovon 2001 noch aus etwa 25 Sonden gefördert wurde.
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| Die
Gesellschaft sicherte sich mit 7000 Freischürfrechten den größten Teil des
Wiener Beckens. 1937 gelang auch der erste größere Ölfund mit der Sonde „RAG
2“ etwa zwei Kilometer nördlich von Zistersdorf. Mit dem „Anschluss“ an
Nazi-Deutschland 1938 gingen die Schürfrechte mit Ausnahme der beiden
bereits in Förderung stehenden Ölfelder RAG und Gaiselberg verloren. Das
Unternehmen selbst wurde wegen ihrer amerikanischen Eigentümer unter
Treuhandverwaltung der Gewerkschaft Elwerath und der Preussischen Bergwerks-
und Hütten-Aktiengesellschaft gestellt. Auch nach dem 2. Weltkrieg war
infolge der Bedeutung der Ölförderung für die sowjetische Besatzungsmacht
nicht an eine Rückübereignung von Schürfrechten im Wiener Becken zu denken.
Als Ausgleich erhielt die RAG zunächst 1948 und 1951 von der Geologischen
Bundesanstalt im westlichen Bereich von Oberösterreich
(damals US-Besatzungszone) Forschungsaufträge. |
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Neben der RAG förderten während der NS-Zeit in der Region nordöstlich von
Wien van Sickle, die
Wintershall AG, die Deutsche Erdöl AG (DEA) sowie die Internationale
Tiefbohr-Aktiengesellschaft (ITAG; als Mehrheitseigentümer der
Steinberg-Naphta AG) Erdöl. |

Das 1942 von
der deutschen DEA entdeckte Feld Mühlberg in der nordöstlichsten
Ecke Österreichs hat 15 Horizonte in 1200 bis 1700 m Tiefe
(Ausdehnung ca. 2 km², über 100 niedergebrachte Bohrungen,
Gesamtproduktion bisher nahezu 10 Mill. Tonnen, derzeit noch etwa 15
produktive Sonden; Luftaufnahme oben aus den 60er-Jahren).
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Ölpumpen inmitten von
Weingärten prägen noch heute das Landschaftsbild der Gegend nördlich von
Gänserndorf im nordöstlichen Niederösterreich.
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| In
den Jahren 1938 bis 1945 erreichten die Ölfelder im Wiener Becken die
drittgrößte Fördermenge Europas. Während des Zweiten Weltkriegs erfolgten
insgesamt mehr als 400 Bohrungen, was die Region zum Zentrum der
Erdöl-Gewinnung des Deutschen Reichs machte. Die im Jahr 1944 erreichte
höchste Fördermenge aus rund 470 Bohrungen betrug ca. 800.000 Tonnen. |
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Bevor die Rote Armee die Betriebsanlagen im April 1945 besetzte, wurden die
Fördereinrichtungen weitgehend lahm gelegt, Personal und betriebsnotwendige
Einrichtungen wurden nach Oberösterreich verbracht, Zündkerzen der Motoren
beiseite geschafft oder vergraben. |
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Nachkriegsgeschichte – von der Plünderung zu Bohrrekorden |
| Die
Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war in Österreich durch den zügigen
Wiederaufbau der Wirtschaft mit Hilfe des amerikanischen „European Recovery
Program" in den nicht von der Sowjetunion besetzten Gebieten gekennzeichnet.
Der Osten Österreichs, und damit auch die Mineralölindustrie
Niederösterreichs, fiel den Sowjets weitgehend unzerstört in die Hände. Im
Oktober 1945 wurde die Sowjetische Mineralölverwaltung (SMV) gegründet, die
alle während des Kriegs an deutsche Gesellschaften übertragenen
Konzessionsgebiete in der Ostzone in Besitz nahm. |
| Ab
Februar 1946 begann die Rote Armee mit der Beschlagnahme von Betrieben aus
dem Deutschen Eigentum. Die von der SMV beschlagnahmten Einrichtungen der
Erdölfelder wurden zunächst demontiert und nach Osten verfrachtet, da die
Sowjetunion die Liquidierung von achtzig Prozent des österreichischen
Ölgebiets anstrebte. Die Förderung schrumpfte auf ein Minimum, und erst nach
etwa einem Jahr, in dem eine Änderung der sowjetischen Erdölpolitik erfolgt
war, kamen neue Geräte und Maschinen in das Weinviertel. |
| 1949
wurde bei der kleinen Gemeinde Matzen etwa 25 km nordöstlich von Wien das
größte Ölfeld Mitteleuropas angebohrt. Wie sich nach und nach herausstellte,
liegen in diesem Teil des Wiener Beckens Erdöl- und Erdgasvorkommen in über
20 Schichten. Die einzelnen sich überlappenden Lagerstätten von Erdöl und
Erdgas erstrecken sich über eine Gebiet von rund 150 km². Erdöl findet sich
in Tiefen von 600 bis 3100 m, wobei die produktivsten Horizonte bei
1300-1700 m sowie bei 2900 m liegen. Erdgas wird in Tiefen von 500 bis 6100
m angetroffen, wobei die produktivsten Horizonte bei 2000 m sowie zwischen
5000 m und 6100 m liegen. |
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Anfänglich wurde nur aus geringen Tiefen gefördert. 1955 wurde das
historische Maximum der österreichischen Ölförderung mit rund 3,7 Mill.
Tonnen erreicht, wovon allerdings ein wesentlicher Teil als Reparation an
die Sowjetunion abzuliefern war. Nach dem Abzug der Alliierten wurde die
rücksichtslose Ausbeutung zugunsten einer Ressourcen schonenden
Bewirtschaftung geändert. Rund 20 Jahre lang konnte damit eine konstant hohe
Förderung von ca. 2,5 Mill. Tonnen gehalten werden. |
| Für
österreichische Verhältnisse bedeutende Öl- und Gasvorkommen wurden ab den
späten 1950er-Jahren zwar auch in Oberösterreich erschlossen, konnten aber
die rückläufige Förderung im Wiener Becken nicht wettmachen. Immerhin kann
die österreichische Inlandsförderung seit Mitte der 1980er-Jahre bei etwa 1
Mill. Tonnen konstant gehalten werden, wovon rund 85% nach wie vor aus dem
Wiener Becken stammen. Mit größeren Neufunden ist kaum mehr zu rechnen, da
Österreich zu den am besten durch Bohrungen untersuchten Gebieten der Erde
zählt. |

Fördersonden im letzten großen in Österreich erschlossenen Ölfeld Hochleithen bei Wolkersdorf (1977
erschlossen).
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Ölpumpen in Reih und
Glied im ausgedehntesten Ölfeld des europäischen Festlandes bei
Matzen (ca. 25 km nordöstlich von Wien).
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| Mit
dem Fortschritt in der Bohrtechnik konnten allerdings auch tief liegende
Erdöllagerstätten (bis 3500 m) erschlossen werden. 1977 wurde in 6100 m
Tiefe bei Schönkirchen ein riesiges Erdgasfeld erbohrt.
Prospektionsbohrungen wurden an den tiefsten Stellen des Wiener Beckens bis
an den Urgesteinsgrund getrieben. |
| Die
tiefste produktive Kohlenwasserstoffbohrung Europas – „Zistersdorf Übertief
1a“ – wurde 1980 niedergebracht. Sie traf in 7544 m Tiefe auf eine ergiebige
Erdgaslagerstätte. Das Bohrloch stürzte jedoch in seinem noch unbefestigten
Teil ein, wodurch der Gaszufluss versiegte. Die daraufhin angesetzte Bohrung
„Zistersdorf Übertief 2a“ drang 1983 bis in 8553 m Tiefe vor, konnte aber
das erhoffte Gasvorkommen nicht erreichen. Diese Bohrung war lange Zeit die
tiefste Bohrung Europas außerhalb der UdSSR. |
| Mit
modernen Untersuchungsmethoden können jedoch auch in Gebieten, in denen
schon seit vielen Jahrzehnten Förderbetrieb stattfindet, noch immer neue
kleinere Lagerstätten gefunden werden. Überdies erlauben stets weiter
entwickelte so genannte tertiäre Gewinnungsverfahren, die Ausbeute aus alten
schon weitgehend ausgeförderten Lagerstätten erheblich zu verbessern. |
| In
den letzten Jahren erlangte in Österreich die Speicherung von Erdgas in
ausgeförderten Gaslagerstätten eine große Bedeutung. Neben den dafür
besonders gut geeigneten Gaslagerstätten in Oberösterreich und Salzburg
werden auch einige Gasfelder in Niederösterreich als Speicher genutzt. |
| Mit
April 2011 bestanden in Österreich 9 Untergrundspeicher (NÖ 3, OÖ 4,
Salzburg 3) für Erdgas. Mit einer Gesamtspeicherkapazität von etwa 7 Mrd.
Kubikmetern könnte Österreich damit nahezu seinen Jahresbedarf an Erdgas
einlagern, was in Europa einen Spitzenwert darstellt. |
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Untergrundspeicher für Erdgas in
Niederösterreich:
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Schönkirchen-Reyersdorf bei
Gänserndorf, (OMV), seit 1977 mit 1,57 Mrd. Kubikmeter in 5
Horizonten (510 m 120 Mio. Kubikmeter, 550 m 160 Mio. Kubikmeter, 750 m
210 Mio. Kubikmeter, 1050 m 550 Mio. Kubikmeter, 1150 m 530 Mio.
Kubikmeter)
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Tallesbrunn bei Gänserndorf, (OMV), seit 1974 mit 300 Mio. Kubikmeter
Speicherprojekt in Bau:
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Schönkirchen-Tief bei
Gänserndorf, (OMV), 1,6 Mrd. Kubikmeter in 2800 bis 2900 m
Tiefe, Inbetriebnahme in zwei Ausbaustufen 2014 (900 Mill. Kubikmeter) und 2018
(zusätzlich 700 Mill. Kubikmeter)
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Die
Erdölförderung Österreichs von 1930 bis 1997
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Die Öl- und Gasfelder im Wiener Becken:
rot = Ölfeld
grün = Gasfeld |
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Weiter:
Erdöl und Erdgas in Österreich -
Oberösterreich |
zuletzt
geändert: 29.05.2011 |
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