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Erdöl
ist DER Energieträger des 20. Jahrhunderts. Erst vor etwa 150 Jahren
begann am Kaukasus, in Europa und in den USA etwa zeitgleich das
"Erdölzeitalter". Über viele Jahrhunderte zuvor wusste man mit dem schwarzen "Zeug", das an manchen Orten
an die Oberfläche trat oder bei Brunnenbohrungen zum Vorschein kam,
überhaupt nichts rechtes anzufangen. |
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| Europa
- Es
begann in Galizien |
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Die
Donaumonarchie reichte einmal bis weit in die heutige Ukraine. Die heutige
Westukraine mit ihrer Hauptstadt Lemberg (heute Lviv) sowie der
südöstlichste Teil Polens bildeten das Kronland Galizien
(kam 1772 von Polen zu Österreich). |
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Am Nordabhang der Waldkarpaten liegen Vorkommen an Kohlenwasserstoffen
sehr nahe an der Oberfläche.
Mehrere daraus resultierende Naturerscheinungen dieser Gegend waren berühmt, wie z.B. das
ewige Feuer von Belkotká. Hier entströmte Erdgas einer natürlichen
brom- und jodhaltigen Solequelle und verbrannte an der Wasseroberfläche
der Quelle. In der Gegend gab es noch mehrere
derartige Gasquellen. Bei Brunnengrabungen stieß man außerdem immer
wieder auf Öl und Erdwachs, einer Erscheinung, die weltweit nur in
Galizien in großen Mengen vorkam. Unter Erdwachs versteht man einen
natürlichen Verdunstungsrückstand von Erdöl, der weitgehend aus Paraffin besteht und
daher eine gelblich bis braune Farbe besitzt. |
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Die kommerzielle Ölgewinnung aus händisch gegrabenen
Sickergruben ist in dieser Gegend seit dem 16. Jahrhundert überliefert. Das
aus den Gruben geschöpfte Öl
gelangte als Schmiermittel und Arzneimittel in weiter Teile Europas.
Weiters wurde es z.B. in der Stadt Krosno (bei Nowy Sacz in Südostpolen) zur Straßenbeleuchtung verwendet. Leider
handelte es sich bei diesem Sickeröl um eine hochviskose, klebrige
Flüssigkeit, die beim Verbrennen stark rußte und einen üblen Geruch
verbreitete. |
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Erst Ignacy Lukasiewicz, ein polnischer Apotheker
in Lemberg (heute Lviv), erkannte das Potential des Sickeröles in Lampen
als eine billige Alternative zum teuren Walöl. Um einen sauberen
Brennstoff zu erhalten, begann er, mit dem schon zuvor vom Kanadier Dr.
Abraham Gesner entwickelten Destillationsverfahren klares, dünnflüssiges Petroleum
herzustellen. Am 31. Juli 1853 wurde Lukasiewicz in das öffentliche
Krankenhaus von Lemberg gerufen, um mit einer seiner Petroleumlampen bei einer
Notoperation für Licht zu sorgen. Von der hervorragenden Beleuchtung
beeindruckt, bestellte das Krankenhaus einige Lampen und 500 Liter
Petroleum. Lukasiewicz reiste in der Folge in die Reichshauptstadt Wien und
meldete seinen Destillationsprozess am 31. Dezember 1853 zum Patent an. |
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Anfänglich reichte die
Ausbeute aus den seichten Hand gegrabenen Sickergruben in der Region von
Gorlice für das Petroleumgeschäft von Lukasiewicz aus. 1854
schlossen sich Titus Trzecieski und Mikolaj Klobassa mit Lukasiewicz
zusammen, um bei der Stadt Bóbrka (etwa 10 km südwestlich von Krosno) ein "Ölbergwerk" zu errichten. Das Öl
wurde dabei aus 30 bis 50 m tiefen händisch gebohrten Brunnen geschöpft.
Etwas später wurden Brunnen bis in Tiefen von 150 m getrieben, wobei
das Öl aus den tieferen Schichten leichter und somit besser für die
Erzeugung von Leuchtpetroleum geeignet war. |
| Viele andere
Unternehmer folgten Lukasiewicz und es
entwickelte sich eine blühende Erdölindustrie in Galizien. Die Vorkommen
lagen dabei in 3 voneinander etwa 150 km entfernt liegenden Gebieten um die
Städte Jaslo (40 km südöstlich Rzeszów), Boryslaw (70 km südwestlich von
Lemberg) und Kolomea (70 km nordwestlich von Czernowitz). Zwischen 1860 und
1865 wurden allein in der Gegend um die Stadt Boryslaw rund 4000 Schächte
zur Erdölgewinnung gegraben bzw. gebohrt. Durch diese leicht zu
erschließenden und überaus ergiebigen Ölvorkommen bestand in der Folge keine
Notwendigkeit, in anderen Teilen des Reiches nach Erdöl zu suchen. In Bend, nordöstlich von Bukarest in
Rumänien, entstanden allerdings 1857 auch die ersten Erdölbrunnen. |
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Die meisten frühen
Brunnen zur Ölgewinnung wurden mühselig von Hand gegraben. Später wurde mit
Stangen gebohrt, indem eine gefederte hölzerne Stange in den Boden gesteckt
wurde, über der ein schweres Metallstück an einem Seil aufgehängt war. Die
Bohrmannschaft musste auf einer Wippe hüpfen, über die das Metallstück
ständig auf die Bohrstange schlug und somit das Loch in den Boden immer
tiefer hackte. Das Bohrloch wurde in regelmäßigen Abständen von den losen
Erd- und Gesteinsteilen gereinigt, indem man einen Eimer in das Loch fallen
ließ, der unten eine Klappe hatte. Beim Aufprall schloss sich die Klappe und
konnte gefüllt nach oben gezogen werden. |
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1867 wurde
bei Kleczany, 60 km westlich von Bóbrka, das erste mechanisch unter
Verwendung einer Dampfmaschine niedergebrachte Bohrloch geschaffen. Damit
war es möglich, wesentlich tiefer als bisher zu bohren. Nach 1870 wurden
praktisch alle Bohrungen mechanisch niedergebracht. |

Die Stadt Boryslaw mit
ihren Fördertürmen um 1900 |
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In
Meyers Konversationslexikon von 1895 werden die Ölfelder von Galizien wie
folgt beschrieben: "Hier zieht sich
das Erdölgebiet in einer Breite von 2-3 Meilen am Nordabhang des Gebirges
hin, zwischen dem Karpathen-Sandstein und dem äocenen Tertiärschichten."
Es wird von 299 Unternehmen mit 8212 Arbeitern berichtet, die aus den
3 Ölfeldern Jaslo, Boryslaw und Kolomea fördern. "Das Ölfeld
ist von tausenden von Schächten (großteils um 40 m tief) durchlöchert
und liefert jährlich etwa 100.000 metr. Zentner Erdöl und 50.000 metr.
Zentner Erdwachs." |
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Auf den Ölfeldern herrschte jedoch wie in den
USA der Anfangsjahre der Erdölförderung ein "Raubrittertum"
mit schlimmsten Arbeitsbedingungen. 1897 musste eine bergpolizeilicher
Verordnung erlassen werden, die vorschrieb, dass die Schächte zueinander
einen Mindestabstand von 60 Metern haben sollten und eine maschinelle
Belüftung mit mindestens 2 m³ Luft pro Minute
vorhanden sein musste. Weiters wurde die bis dahin übliche Grubenfahrung
mit Kübel und Seil untersagt.
Der Erdwachsabbau wurde, wie bereits oben erwähnt, weltweit nur hier
in großem Umfang betrieben. 1898 waren 23 Betriebe im Erdwachsabbau
tätig. Aus dem Rohstoff wurden Kerzen, Polituren und Schmiermittel
erzeugt. |

Die Ölraffinerie in
Boryslaw |

Ölfeld in Galizien |
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| Zur
Geschichte der Erdölindustrie von Boryslaw mit Bildern:
http://www.shtetlinks.jewishgen.org/Drohobycz/dz_histoil.htm |
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Die galizischen Ölfelder waren bis nach den 1. Weltkrieg das mit Abstand
größte bekannte Ölvorkommen Europas. Bis 1900 konnte die Förderung
auf über 1 Mill. Tonnen gesteigert werden, wobei allerdings auch tiefere
Vorkommen bis 1500 m erschlossen wurden. 1912 war die Österreichisch-Ungarische Monarchie mit
2,9 Mill.
Tonnen, welche praktisch ausschließlich aus Galizien stammten, das drittgrößte Ölförderland der Erde
(nach den USA und Russland [fast ausschließlich aus Baku]; Weltförderung ca. 55 Mill. Tonnen).
Im 1. Weltkrieg waren die galizischen Ölfelder hart umkämpft und fielen
1918 Polen zu, das jedoch die Produktionsziffern der Vorkriegszeit nicht
mehr erreichen konnte. Auch heute wird in dem Gebiet noch Erdöl gefördert. |
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In Westeuropa -
Pechelbronn und Wietze |
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Die erste Erwähnung
der Erdpechquelle von "Baechelbrunn" erfolgte 1498. In Pechelbronn im
nördlichen Elsass trat aus einem nur etwa 10 m tief liegenden Ölfeld schon immer
Erdpech aus. In der Sickerstelle suhlten sich gerne die Wildschweine, um
das Ungeziefer los zu werden. In der Folge versuchten auch die Menschen,
das Öl als Hautarznei zu verwenden. Auch andere medizinische Anwendungen
für das Erdpech sind bekannt, wie gegen Zahnschmerzen, Gicht oder zur
besseren Wundheilung. Letztlich erkannte man das Erdpech aber auch als
hervorragendes Schmiermittel. |
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Der Beginn des
kommerziellen Erdölabbaues in Pechelbronn wird mit 1735 angegeben, wobei
man sich lange Zeit damit begnügte, in die seicht liegenden Öl führenden
Schichten Gruben zu graben, in denen sich das Öl sammelte und abgeschöpft
werden konnte.
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1813 erfolgte die
erste händische Versuchsbohrung. Ab 1845 wurde in größerem Ausmaß gebohrt.
Das Öl wurde jedoch noch immer abgeschöpft, bis 1889 die Gesellschaft Le Bel
& Cie die Erste Pumpstation in Betrieb setzte. Bis 1927 wurden etwa 2850 Bohrungen mit einer
Gesamtlänge von 760.000 m niedergebracht (Das entspricht einer
durchschnittlichen Tiefe von 270 m). Die von 1889 bis 1927 auf diese Weise
geförderte Ölmenge betrug 790.000 Tonnen. |
Ab 1917 wurde in Pechelbronn
das Erdöl auch bergmännisch abgebaut. Dies war eine Besonderheit, die nur
mehr in Wietze bei Hannover 1919 in viel kleinerem Maßstab und 1921 in
Rumänien zur Anwendung kam. Bis 1964 wurden in Pechelbronn Stollen
mit einer Gesamtlänge von 424 km gegraben. In den Stollen, die knapp neben
den Öl führenden Schichten verliefen, wurden Senklöcher (in Summe gab es
25.200 davon) mit etwa 2 m Tiefe gegraben, aus denen das Öl abgepumpt
werden konnte. Das Bergbaugebiet war insgesamt
1250 Hektar groß. Insgesamt wurden 955.000 Tonnen Erdöl auf diese Weise
abgebaut.
Das Öl von Pechelbronn gelangte in vier Raffinerien zur
Verarbeitung. Insgesamt wurden in Pechelbronn von 1735 bis 1964 3,3 Millionen Tonnen Öl
gewonnen. |

Das Ölbergwerk von
Pechelbronn |
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Heute zeugt in
Pechelbronn das französische Erdölmuseum von diesem Kapitel der
Industriegeschichte:
http://www.musee-du-petrole.com |

Deutsches Ölfeld in den
30er-Jahren |
Im gleichen Jahr wie
in den USA begann auch in Deutschland die Ölförderung. 1859 konnte in der
Nähe von Wietze bei Hannover ein Ölfeld entdeckt werden, dessen Förderung
allerdings im internationalen Vergleich bescheiden war. Im übrigen heutigen
Niedersachsen, in Holstein und im Elsass wurde ebenfalls Öl in geringen
Mengen gefördert. Erst mit moderner Explorationstechnologie konnten in
Deutschland ab 1950 bedeutende Ölvorkommen erschlossen werden.
In
Europa hatte nach dem ersten Weltkrieg nur Rumänien mit den Vorkommen
um die Stadt Ploesti eine große Erdölförderung.
Infos
zum Deutschen Erdölmuseum:
http://www.kulturserver.de/home/demw
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Weiter:
In
den USA
- Colonel
Drake's 1. Bohrung
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zuletzt
geändert: 04.11.2003 |
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