Am
Beginn des
Erdölzeitalters |


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Erdöl
ist DER Energieträger des 20. Jahrhunderts. Erst vor etwa 150 Jahren
begann am Kaukasus, in Europa und in den USA etwa zeitgleich das
"Erdölzeitalter". Über viele Jahrhunderte zuvor wusste man mit dem schwarzen "Zeug", das an manchen Orten
an die Oberfläche trat oder bei Brunnenbohrungen zum Vorschein kam,
überhaupt nichts rechtes anzufangen.
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... in Deutschland - Pechelbronn und Wietze |
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Die erste Erwähnung
der Erdpechquelle von "Baechelbrunn" erfolgte 1498. In Pechelbronn im
nördlichen Elsass trat aus einem nur etwa 10 m tief liegenden Ölfeld schon immer
Erdpech aus. In der Sickerstelle suhlten sich gerne die Wildschweine, um
das Ungeziefer los zu werden. In der Folge versuchten auch die Menschen,
das Öl als Hautarznei zu verwenden. Auch andere medizinische Anwendungen
für das Erdpech sind bekannt, wie gegen Zahnschmerzen, Gicht oder zur
besseren Wundheilung. Letztlich erkannte man das Erdpech aber auch als
hervorragendes Schmiermittel. |
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Der Beginn des
kommerziellen Erdölabbaues in Pechelbronn wird mit 1735 angegeben, wobei
man sich lange Zeit damit begnügte, in die seicht liegenden Öl führenden
Schichten Gruben zu graben, in denen sich das Öl sammelte und abgeschöpft
werden konnte.
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1813 erfolgte die
erste händische Versuchsbohrung. Ab 1845 wurde in größerem Ausmaß gebohrt.
Das Öl wurde jedoch noch immer abgeschöpft, bis 1889 die Gesellschaft Le Bel
& Cie die Erste Pumpstation in Betrieb setzte. Bis 1927 wurden etwa 2850 Bohrungen mit einer
Gesamtlänge von 760.000 m niedergebracht (Das entspricht einer
durchschnittlichen Tiefe von 270 m). Die von 1889 bis 1927 auf diese Weise
geförderte Ölmenge betrug 790.000 Tonnen. |
Ab 1917 wurde in Pechelbronn
das Erdöl auch bergmännisch abgebaut. Dies war eine Besonderheit, die nur
mehr in Wietze bei Hannover 1919 in viel kleinerem Maßstab und 1921 in
Rumänien zur Anwendung kam. Bis 1964 wurden in Pechelbronn Stollen
mit einer Gesamtlänge von 424 km gegraben. In den Stollen, die knapp neben
den Öl führenden Schichten verliefen, wurden Senklöcher (in Summe gab es
25.200 davon) mit etwa 2 m Tiefe gegraben, aus denen das Öl abgepumpt
werden konnte. Das Bergbaugebiet war rund
1250 Hektar groß. Insgesamt wurden 955.000 Tonnen Erdöl auf diese Weise
abgebaut.
Das Öl von Pechelbronn gelangte in vier Raffinerien zur
Verarbeitung. Insgesamt wurden in Pechelbronn von 1735 bis 1964 3,3 Millionen Tonnen Öl
gewonnen. |

Das Ölbergwerk von
Pechelbronn |
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Heute zeugt in
Pechelbronn das französische Erdölmuseum von diesem Kapitel der
Industriegeschichte:
http://www.musee-du-petrole.com |
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In Wietze, ca. 30 km
nördlich von Hannover, wurde schon seit Jahrhunderten durch örtliche Bauern
das in so genannte „Teerkuhlen“ gesammelte Erdöl genutzt, was erstmals
urkundlich 1652 Erwähnung fand. Besonders nach regenreichen Sommern trat Öl
an der Erdoberfläche aus. Was aus der Erde kam, wurde Smeer oder Satanspeck
genannt und als Wagenschmiere, Dichtungsmaterial im Schiffbau, Abdeckung von
Schäden an Obstbäumen und zur Versorgung von Wunden von Tieren und Menschen
(schwarze Salbe oder „Satanspech“) genützt. |
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Um die Produktion zu steigern,
wurde 1660 mit Handlöffelbohrern versucht, neue Lagestätten zu erschließen.
1776 ist in Wietze eine Produktion von 7000 Pfund Teer überliefert. |
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Mitte des 19. Jahrhunderts wurde
die Königlich Hannoversche Regierung auf der Suche nach Rohstoffen auf die
„Erdölquellen“ in Wietze aufmerksam. Ende Juli 1858 fanden unter Leitung von
Georg Christian Konrad Hunäus eine der ersten Erdölbohrungen weltweit statt,
wobei man eigentlich . auf der Suche nach Braunkohle war. In einer Tiefe von
35,6 m stieß man auf Erdöl. Im Gegensatz zu den USA, wo kurze Zeit später
nach der ersten Ölbohrung in Titusville, Pennsylvania, ein „Ölrausch“
ausbrach, interessierte sich in Wietze niemand besonders um das bei der
Bohrung gefundene Öl. |

Deutsches Ölfeld in den
30er-Jahren |
Erst 1876 wurde eine
systematische Erdölproduktion aufgenommen. 1899 brach dann auch in Wietze
das Ölfieber aus, als bei einer Bohrung in einer Tiefe von inzwischen 270 m
frei fließendes Erdöl an die Erdoberfläche drückte. Es wurden 2500 Tonnen
Erdöl gefördert, 1900 waren es 27.000 Tonnen. 1908 erreicht die Ölgewinnung
in Wietze mit ca. 110.000 Tonnen ihr Produktionsmaximum.
1899 waren in Wietze 52 Gesellschaften tätig, von denen 24 in der Deutschen
Tiefbohr AG (1911 Deutsche Erdöl AG = DEA) aufgingen. Wietze deckte 1913
rund 80 Prozent der deutschen Erdölproduktion von 121.000 Tonnen. Der
Jahresbedarf lag freilich bei rund 1,2 Millionen Tonnen. Der Fehlbedarf
wurde durch Importe aus den USA, Galizien und Rumänien gedeckt. Infolge des
1. Weltkrieges fielen die Importmöglichkeiten nach und nach aus, sodass eine
verstärkte Suche nach neuen Vorkommen einsetzte. |
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Der Transport des Erdöls
erfolgte in Holzfässern auf Pferdefuhrwerken nach Celle und Schwarmstedt und
von dort mit der Eisenbahn weiter zu den Raffinerien nach Hamburg und
Bremen. 1903 wurde die Ölbahn genannte Eisenbahnstrecke zwischen Celle und
Schwarmstedt fertig gestellt. Da auf der Aller kein wirtschaftlicher
Schiffsverkehr möglich war, wurde ab 1908 der Fluss von Celle bis zur
Leinemündung kanalisiert. Es wurden vier Staustufen mit Schleusen gebaut und
die Fahrwassertiefe von ehemals 0,5 m auf über 1,5 m angehoben. Die
Schleusen waren 165 m lang und 10 m breit. Die Tankschiffe mit 48,5 m Länge
und 7,2 m Breite konnten 330 Tonnen laden. Wegen der vielen engen Schleifen
der Aller waren keine größeren Schiffe möglich. In Wietze wurde ein
Verladepier mit zwei Lagertanks errichtet. 1909 wurden rund 21.000 Tonnen
Rohöl mit Schiffen von Wietze nach Bremen transportiert.
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1920 begann man mit der
Errichtung eines Untertagebergbaus zur Erdölgewinnung aus Ölsand. Nach
Auffahren der Sickerölstrecken begann 1925 die Gewinnung von Ölsand, aus dem
an der Erdoberfläche das Erdöl heraus gewaschen wurde. 1930 erreichte die
bergmännische Ölgewinnung mit ca. 60.000 Tonnen Rohöl ihren Höhepunkt. |
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Bis zur endgültigen Stilllegung
aller Förderbetriebe 1963 aus wirtschaftlichen Gründen gab es in Wietze 2028
Bohrungen (davon etwa 1600 erfolgreiche) sowie das Bergwerk mit einem
Streckennetz von über 80 km Länge in Tiefen zwischen 222 und 325 m. Im
Bergwerk wurden von Bergleuten (in der Region auch Ölmuckel genannt) bis
1963 insgesamt etwa eine Million Tonnen Erdöl aus Ölsand gewonnen. |
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Heute erinnern verschiedene
Einrichtungen an die rund 100 Jahre dauernde Industriegeschichte in Wietze.
Dies sind der etwa 55 m hohe „Ölberg“ – eine frühere Abraumhalde –, ein
Lagerplatz, das Zentrallabor der RWE DEA und das Deutsche Erdölmuseum. |
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Infos
zum Deutschen Erdölmuseum:
http://www.erdoelmuseum-wietze.de
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In der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts wurde in Deutschland zwar auch im übrigen heutigen
Niedersachsen und in Holstein Öl in geringen Mengen gefördert, doch erst mit
moderner Explorationstechnologie konnten in Deutschland ab 1950 bedeutende
Ölvorkommen erschlossen werden. |
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Weiter: Am Beginn des
Erdölzeitalters in Rumänien |
zuletzt
geändert: 14.05.2011 |
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