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Erdöl
ist DER Energieträger des 20. Jahrhunderts. Erst vor etwa 150 Jahren
begann am Kaukasus, in Europa und in den USA etwa zeitgleich das
"Erdölzeitalter". Über viele Jahrhunderte zuvor wusste man mit dem schwarzen "Zeug", das an manchen Orten
an die Oberfläche trat oder bei Brunnenbohrungen zum Vorschein kam,
überhaupt nichts rechtes anzufangen. |
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Das "Steinöl" (=
Petroleum) diente in früheren Jahrhunderten hauptsächlich
medizinischen Zwecken. Noch 1913 widmet sich ein Fachbuch über die
Erdölkunde ausführlich den medizinischen Anwendungen (hilfreich z.B. bei
Erkrankungen von Augen, Haut und Gelenken). Interessant ist dabei, dass
auch viele heutige Kurorte wie Bad Hall oder Bad Schallerbach, welche für
ähnliche Indikationen genutzt werden, Heilwässer benützen, die
identisch den Begleitwässern aus Erdöllagerstätten sind.
Kommerziell interessant wurde Erdöl aber erst mit der Nutzung als Brennstoff
für Lampen. Dazu musste aber das Rohöl destilliert werden, um reines
Petroleum zu erhalten. Dieses verbrannte nun wesentlich rußärmer als bislang
verwendete tierische Fette und roch außerdem weniger intensiv. Gegenüber dem
damals ebenfalls wegen seiner guten Qualität verwendeten Walöl hatte
Petroleum den Vorteil, das es nicht verderblich war. |
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Die ersten
Ölbohrung ist 347 v. Chr. aus China überliefert. Dort hat man mit einem
Bambusrohr, dessen Ende mit Zähnen versehen war, Löcher in die Erde
gebohrt, um an das Öl zu kommen. Die moderne Ölindustrie nahm den Anfang
ihrer Entwicklung aber am Kaukasus. |
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Aller Anfang am
Kaspischen Meer |
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Als Marco Polo
1264 die persische Stadt Baku am Ufer des Kaspischen Meeres besuchte, sah
er, wie man Öl sammelte, das sich in Vertiefungen sammelte. Er berichtete
auch von der Fontäne an der Grenzen zu Geirgine, aus der Öl in so großen Mengen
entströmte, dass mehr als einhundert Schiffe auf einmal geladen
werden konnten. Neben den mit Öl gefüllten Sickergruben sah Marco Polo
auch spektakuläre Schlammvulkane, die von einsickerndem Erdgas gespeist
wurden sowie einen brennenden Hang, die "Ewigen Feuer von Apsheron", wo
Kondensat und Erdgas durch das Schiefergestein sickerte und verbrannte.
Dieses Feuer bildete über Jahrhunderte eine religiöse Kultstätte der
Parsen (= Anhänger der Zarathustra-Religion). |
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Das bei Baku zutage
tretende Öl und Gas stammt von der Zone, die quer durch das Kaspische Meer
verläuft und riesige Vorkommen an Kohlenwasserstoffen enthält. Im Bereich
der Halbinsel Apsheron, auf der Baku liegt, wurde diese Zone durch
vulkanische Kräfte an die Erdoberfläche gedrückt. |
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Das Öl von Baku
wurde seit jeher wirtschaftlich genutzt. Zumindest seit dem 6.
vorchristlichen Jahrhundert gibt es Aufzeichnungen darüber. Wie schon
Marco Polo berichtete, wurden dort, wo die Öl führenden Schichten zutage
traten, seichte Gruben geschaffen, in den sich das Öl sammelte und
abgeschöpft werden konnte. Das Öl gelangte in Ledersäcke gefüllt, auf
Kamelen in weite Teile Arabiens sowie bis nach Indien. Mit der Zeit begann
auch die Nutzung tieferer Schichten. 1594 reichten handgegrabene Schächte
bis in Tiefen von 35 m. Der Sekretär des schwedischen Botschafters im Iran
E. Campfer berichtet 1683 von bis zu 80 m tiefen Ölbrunnen. Der Umfang der
Ölgewinnung blieb jedoch über viele Jahrhunderte fast gleich. 1806 wird
von etwa 50 Ölquellen berichtet. 1830 wird berichtet, dass in Baku aus 116
händisch gegrabener Brunnen jährlich 3.840 metrische Tonnen (über 700
Fässer) Öl gewonnen werden konnten. Um 1865 wird die Anzahl der
Ölförderstellen auf der Apsheron-Halbinsel mit 218 angegeben. 1886 werden
168 produzierende Ölbohrungen genannt, die in Tiefen von 50 bis 315 m
reichten. |
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1828 wurde
Aserbaidschan von Russland annektiert. Mit dem Beginn der
industriellen Entwicklung in Russland erhielten die Ölvorkommen von
Baku eine wichtige Rolle. Der steigende Bedarf begünstigte die
Entwicklung neuer technischer Erschließungsmethoden. 1844, also
15 Jahre vor Colonel Drake in Pennsylvania, erbohrte der russische
Ingenieur F. N. Semyenov mit einem Schlagbohrsystem eine Ölquelle im auch
heute noch genutzten Ölfeld von Bibi-Eibat. Dies ist somit das älteste
in Förderung stehende Ölfeld der Welt. Der Bericht über diese erste
Ölbohrung der Welt blieb aber mehrere Jahre in der Bürokratie des
Zarenreiches hängen und gelangte erst in einem Bericht vom 14. Juli
1848 an den Zarenhof. Damit erfolgt die offizielle Dokumentation noch
immer 11 Jahre vor Drake's Bohrung. |
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1868 wurde vom
Zaren eine Lizenz zum Bohren nach Öl erteilt und 1871 begann die
Erschließung der Ölvorkommen in großem Maßstab. Bis 1913 wurden in der
Umgebung von Baku rund 3500 Erdölbohrungen niedergebracht. 1883 gab es
135 Ölindustrielle in Baku, wovon jedoch nur 17 Einheimische waren.
Der Pariser Bankier Rothschild gehörte zu den größten Finanzgebern der
Ölförderung von Baku. Bis 1916 wurden mit ausländischem Kapital in
Baku 104 Ölunternehmen gegründet. 1910 kontrollierten 60% der Ölfelder
von Baku drei große Gesellschaften: "Royal Dutch Shell", "The Nobel
Brothers’ Oil Partnership" und "The Main Russian Oil Partnership".

1859 entstand
in Baku die erste Ölraffinerie. Schon 1867 gab es 15 Raffinerien. von
1878 bis 1898 wurden 230 km lokale Ölpipelines gebaut. Zwischen 1896
und 1906 entstand schließlich die 833 km lange Pipeline von Baku nach
Batumi am Schwarzen Meer. Sie hatte einen Durchmesser von 200 mm und
eine Kapazität von 900.000 Tonnen jährlich.
Da das damals größte bekannte Ölfeld der Baku-Region Bibi-Eibat
größtenteils am Grund einer Bucht des Kaspischen Meeres lag, war es
notwendig, die Bucht für den Förderbetrieb trockenzulegen. Zwischen
1909 und 1927 wurden etwa 300 Hektar der Bucht aufgeschüttet. Dies war
damals nach dem Bau des Panamakanals die größte wasserbautechnische
Maßnahme auf der Erde. |
Die Entwicklung der Erdölförderung in
Baku:
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Jahr |
Millionen Tonnen Öl |
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1883 |
1,0 |
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1884 |
1,4 |
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1885 |
6,4 |
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1886 |
2,0 |
|
1887 |
2,7 |
|
1888 |
3,1 |
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1889 |
4,3 |
|
1890 |
3,9 |
|
1891 |
4,6 |
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1892 |
4,7 |
|
1893 |
5,5 |
|
1894 |
5,0 |
|
1895 |
6,4 |
|
1896 |
6,5 |
|
1897 |
6,9 |
|
1898 |
7,9 |
|
1899 |
8,4 |
|
1900 |
9,7 |
|
1901 |
10,8 |
|
1903 |
7,5 |
|
1910 |
8,0 |
|
1913 |
7,2 |
|
1917 |
6,4 |
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1919 |
3,7 |
|
1921 |
2,4 |
|
1941 |
23,5 |
|
1945 |
11,5 |
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Die Ölförderung um
Baku ging jedoch infolge der wirtschaftlichen Krise Russlands zurück. Die
Ereignisse rund um die Russische Revolution von 1917 führte schließlich zu
einem weitgehenden Zusammenbruch der Ölförderung. Die etwa 300 in Baku
tätigen Ölgesellschaften wurden zunächst verstaatlicht. Da sich
Aserbaidschan aber 1918 zu einem selbstständigen sozialistischen Staat
erklärte, der aber mit türkischer Hilfe durch eine "Aserbaidschanische
Republik" ersetzt wurde. Die Verstaatlichung der Ölfirmen wurde rückgängig
gemacht. Da die Ölvorkommen von Baku für die junge Sowjetunion von großer
Wichtigkeit waren, erfolgte im April 1920 die Besetzung durch die Rote
Armee und die Annexion durch die UdSSR. Es dauerte jedoch Jahre, um die
Ölförderung zu stabilisieren und deutlich zu erhöhen. Bis 1940 konnte die
Förderung auf 22,2 Millionen Tonnen gesteigert werden (71,5% der Förderung
der UdSSR). Ein Jahr später wurde mit 23,5 Millionen Tonnen der
historische Höhepunkt erreicht. Während des Krieges wurden zunehmend
Frauen auf den Ölfeldern eingesetzt. 1942 waren es 25.000 (33% aller
Ölarbeiter). Bis Kriegsende stieg der Frauenanteil auf 60%. |
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Die Ölfelder von
Baku waren auch ein strategisches Ziel Hitlers. Hitler fixierte den 25.
September 1942 für die deutsche Besetzung Bakus. 764 Ölquellen wurden
daher von den Sowjets stillgelegt, ein Großteil des Bohrgerätes wurde in
andere Teile der UdSSR verbracht, der größte Teil nach Kuybishev in
Tataristan. Da zu dieser Zeit die herkömmlichen
Transportwege über Land von deutschen Truppen blockiert waren, musste das
Öl über das Kaspische Meer transportiert werden. Da es kaum Tanker dafür
gab, schnitt man kurzerhand die Kessel der Eisenbahnwaggons von den
Fahrwerken und schleppte sie über das Meer. Die deutsche Besetzung Bakus
kam aber nicht zustande. Die Drohung hat aber nachhaltig bewirkt, dass die
Ölförderung in Baku wesentlich geschwächt war und nie wieder an den Rekord
von 1941 herankam. |
Die
Nachkriegsentwicklung der Ölförderung von Baku war geprägt durch die
Erschließung der Ölfelder vor der Küste. Dazu mussten künstliche
Inseln aufgeschüttet werden. Die größte dieser Vorhaben heißt "Neft
Dashlari" (= Ölfelsen). 1958 begannen die Arbeiten zum Bau eines 7000
Hektar großen künstlichen Inselkomplexes 45 km vor der Küste. Auf der
Insel entstand eine komplette Stadt für die Ölarbeiter. Weitere rund
1300 Inseln und Förderplattformen waren über Brücken mit dem
Inselkomplex verbunden und erreichten eine Gesamtlänge von über 450
km. Vom "Ölfelsen" wurden fast 2000 Bohrungen durchgeführt, aus denen
über 160 Millionen Tonnen Erdöl gefördert werden konnten. Auch heute
leben in dieser künstlichen Inselstadt noch 2000 Menschen.
Während
1950 noch 39% der Ölförderung der UdSSR aus Baku kamen, waren es 1980
nur mehr 2,4%. |
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Europa - Es begann in Galizien
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zuletzt
geändert: 04.11.2003 |
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